Branchenabend

Wein NÖ eröffnet das Weinjahr

Ein Artikel von DI Walter Kaltzin | 05.02.2026 - 10:12
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Die Vortragenden des ersten niederösterreichischen Branchentreffs (v. l.): Josef Glatt (Direktor des Öst. Weinbauverbandes), Konrad Hackl (GF NÖ Weinbauverband), Klaus Goldmann (GF Wein NÖ), Reinhard Zöchmann (Präsident NÖ Weinbauverband), Johannes Schmuckenschlager (Präsident NÖ LWK und Österr. Weinbaupräsident), Stefan Kast (LK Österreich – Weinbaureferat) ©  LW Media: Leonardo Ramirez

Zum ersten überregionalen Branchentreff trafen sich am 22. Jänner in der Spitzenfabrik in St. Pölten rund 150 Winzer und Funktionäre. In seinen Begrüßungsworten ging Weinbaupräsident Johannes Schmuckenschlager auf die herausfordernden Rahmenbedingungen ein und betonte: „Krisenstimmung bringt uns keinen einzigen Kunden. Gerade in herausfordernden Zeiten braucht es den offenen Austausch zwischen Politik, Wirtschaft und Praxis, um die Zukunft des österreichischen Weins erfolgreich zu gestalten.“

Im Anschluss gab Klaus Goldmann, Geschäftsführer der Wein Niederösterreich, einen Überblick zu den Marketing-Aktivitäten der Vereinigung. Detailliert zeigte er das Potenzial des deutschen Weinmarktes auf. Es gebe im deutschen Lebensmittelhandel zwar viel Discount, doch durch regionale Entscheidungsstrukturen und einer Vielzahl kleinerer Händler ergeben sich gerade auch für kleine bis mittlere Weinbaubetriebe viele Möglichkeiten vom weltweit viertgrößten Weinmarkt zu profitieren. Goldmann führte ein paar Trends an: Deutschland trinkt in der Masse nach wie vor eher nicht ganz trockene Weine; Bio legt noch zu, ist aber selten das entscheidende Kaufkriterium; der Aktionsanteil im Handel steigt; der Markt für entalkoholisierte Produkte wächst, ist aber noch Nische; Grüner Veltliner sind etabliert, Zweigelt ist die Nummer 2 im Ranking; Gelber Muskateller, Gemischter Satz und Rosé haben noch Potenzial.

Über Entwicklungen in der Weinwirtschaft sprach Reinhard Zöchmann, Präsident des NÖ Weinbauverbandes. Dabei fokussierte er auf die Folgen des Klimawandels, im Besonderen auf das vermehrte Auftreten von Phytoplasmen (Goldgelbe Vergilbung GFD versus Schwarzholzkrankheit Stolbur). Die Symptome seien ähnlich. Besonders das Auftreten der Amerikanische Rebzikade gebe zu Bedenken. Diese seien in Grenznähe zu Tschechien und der Slowakei enorm gestiegen. Zum Glück allerdings noch ohne Befall mit Phytoplasmen. Das werde aber nur mehr eine Frage der Zeit sein, so Zöchmann.

Neue EU-rechtliche Bestimmungen erfordern eine Anpassung des österreichischen Weingesetzes. Auf die notwendigen Veränderungen sowie der Etablierung von Erzeugervereinigungen in allen Weinbaugebieten ging anschließend Stefan Kast vom Österreichischen Weinbauverband ein. Er erläuterte den aktuellen Stand der Gesetzesnovelle und deren Bedeutung für die Branche. Derzeit werde ein erster Textentwurf von der Expertengruppe diskutiert, geplant sei im Sommer 2026 der Start des politisches Gesetzwerdungsprozesses. Zu den Big Points im Gesetz zählt die notwendige Neuregelung der geografischen Angaben/Einheiten. Das EU-Gesetz sieht vor, dass die Regelungen von den Erzeugern ausgehen muss, und zwar freiwillig. Diese müssen demokratisch organisiert und von ihren Mitgliedern kontrolliert werden. Erzeugervereinigung werden also demnächst die Regionalen Weinkomitees ablösen, um im österreichischen Weinbau Herkunft und Qualität rechtlich zu definieren (DAC- und Qualitätswein-Regeln zu gestalten); den EU-Herkunftsschutz zu erlangen und Winzer-Interessen gebündelt zu vertreten. Ohne Erzeugervereinigung gebe es keine verbindliche Herkunftspolitik mehr, betonte Kast.

Den Abschluss des Fachprogramms bildete die Vorstellung der neuen Mitgliederverwaltung durch Konrad Hackl, Geschäftsführer des NÖ Weinbauverbandes. Sie soll den administrativen Aufwand für die Mitglieder künftig vereinfachen und Prozesse effizienter gestalten. Sie bildet auch die Basis für Entscheidungsprozesse in den Weinbaugebieten. Hackl betonte: Jedes Gebiet entscheidet selbst und demokratisch über das Wie. Dabei gibt mehrere Möglichkeiten Stimmrechte zu vergeben – der Weinbauverband berät hierzu.

Abgerundet wurde der Abend durch den persönlichen Austausch in entspannter Atmosphäre – begleitet von prämierten Sekten und ausgewählten Siegerweinen der NÖ Landesweinprämierung.