Vom 29. bis 31. Jänner wird die Messestadt Tulln erneut für drei Tage zum Zentrum des Weinbaus in Österreich werden. Die Fachmesse für den österreichischen Wein- und Obstbau wird sich wieder in die... Mehr lesen ...
Jede Maßnahme wird bei Nachhaltig Austria hinsichtlich ihrer Wirkung auf neun Nachhaltigkeitskategorien bewertet: Klima, Material, Energie, Boden, Biodiversität, Wasser, Qualität sowie soziale und wirtschaftlich-ökonomische Aspekte. Die Bewertung erfolgt durch das Umweltbundesamt und basiert auf einer Skala von –10 bis +10 Punkten. Zur Ermittlung der bestbewerteten Betriebe werden die Punkte aller Kategorien – unabhängig davon, ob sie positiv oder negativ ausfallen – zu einer Gesamtpunktezahl summiert. Dies betrifft alle Aspekte der Trauben- und Weinproduktion und schließt auch soziale Faktoren mit ein.
Auf dieser Grundlage wird ein Ranking erstellt. Jene Betriebe, die die höchste Gesamtpunktezahl erreichen, werden jährlich als die besten Unternehmen ausgezeichnet. Die punktehöchsten Betriebe in diesem Jahr waren die burgenländischen Familienweingüter Mariel und Preschitz sowie das Weingut Stift Klosterneuburg.
Weingut Mariel, Wulkaprodersdorf
Familie Mariel in den Weingärten bei Wulkaprodersdorf. Von links: Lukas und Konrad jun. mit den Eltern Martina und Konrad sen. © Weingut Mariel
Beim Weingut der Familie Mariel, gelegen im burgenländischen Wulkaprodersdorf, wird besonderer Wert auf die Förderung der Biodiversität und einen ganzheitlich nachhaltigen Betriebsansatz gelegt. So wurden in den letzten Jahren im Umfeld der Weingärten und an Böschungen rund 400 Bäume gepflanzt, darunter Wildkirsche, Wildapfel, Speierling und Nussbäume als Futter für das heimische Wild. Zusätzlich wurden Falkenstangen zur Förderung der heimischen Fauna angebracht.
Zwischen den Rebzeilen werden gezielt Pflanzenmischungen eingesät. Die Ausbringung von Kompost sorgt für eine langfristige und schonende Nährstoffversorgung der Reben. Die Anzahl der Durchfahrten im Weingarten wird durch den Einsatz von Gerätekombinationen reduziert. Im Pflanzenschutz kommt moderne Recyclingtechnik zum Einsatz, um den Mittelverbrauch zu minimieren und Abdrift wieder dem Kreislauf zuzuführen.
Der Strom für den Betrieb, zu dem auch ein Heuriger gehört, stammt aus der eigenen Photovoltaikanlage mit Speicherbatterie. Die Zentralheizung wurde auf ein Holzvergaser-System umgerüstet und wird unter anderem mit eigenem Rebholz betrieben. Zudem setzt das Weingut konsequent auf Mehrweggebinde und verwendet Kartonagen mehrfach.
Auch im Heurigen wird Nachhaltigkeit gelebt: Hier wird besonderer Wert auf Regionalität und Saisonalität gelegt. Serviert werden traditionelle Spezialitäten wie Sautanzleber oder Hirschburger vom Wild aus der Region, die den engen Bezug zur Landschaft und zur lokalen Wertschöpfungskette unterstreichen.
Weingut Preschitz, Neusiedl am See
Markus Preschitz, Leiter des Familienweinguts Preschitz in Neusiedl am See, im gewölbten Rotweinkeller des Betriebs. © Weingut Preschitz
Im familiengeführten Weingut Preschitz, das rund 12 Hektar Weingärten am nördlichen Ufer des Neusiedlersees bewirtschaftet, wird seit vielen Jahren ganzheitlich gedacht und großer Wert auf die Etablierung nachhaltiger Praktiken und Materialien sowie die Schonung von Ressourcen gelegt.
Die dauerhafte Begrünung der eigenen Flächen ist bereits seit rund zwanzig Jahren ein wichtiger Aspekt der Bewirtschaftung. Die eingesäten Mischungen sorgen für mehr Biodiversität und schützen den Boden bei Extremwetterereignissen wie Starkniederschlägen vor Verschlammung sowie Überhitzung im Sommer. „Auch wenn es zu Konkurrenz der Begrünung mit den Reben kommt, ist die Dauerbegrünung immer die bessere Option“, so Betriebsleiter Markus Preschitz. Dadurch, dass das Ökosystem stabiler sei, ergäben sich auch Einsparungen beim Pflanzenschutz. Die Reben wachsen langsamer und es konnte beobachtet werden, dass die Beerenschalen dicker und widerstandsfähiger sind. Der Humusaufbau ist ein wichtiges Thema. Gedüngt wird wenig und ausschließlich mit Wirtschaftsdüngern.
Auch im Rest des Betriebs wird nachhaltig gedacht. An den Dachflächen finden sich Photovoltaikanlagen für den Strombedarf von Weingut und Heurigen – in der Gegend zählte der Betrieb hier zu den Vorreitern. Das Weingut setzt auch auf die Wiederverwendung der Weinflaschen. Dadurch, dass mit dem Buschenschank viel direkter Kundenkontakt bestehe, sei die Rücklaufquote sehr gut.
Weingut Stift Klosterneuburg
Max Schlaffer (links), der seit Dezember 2024 die Verantwortung für die Weingärten des Stifts Klosterneuburg trägt, gemeinsam mit Geschäftsführer Peter Frei (rechts). © Weingut Stift Klosterneuburg
Im Weingut des Stifts Klosterneuburg, das sich aktuell in der Umstellung auf Bio-Produktion befindet, wird generell hoher Wert auf die ökologische Nachhaltigkeit gelegt. Dabei geht es nicht nur um den Schutz von Natur und Klima, sondern auch um faires und nachhaltiges Wirtschaften. "Das Weingut vom Stift Klosterneuburg besteht schon seit über 900 Jahren – eine Tradition, die auch gleichzeitig eine Verpflichtung ist, das Weingut über weitere Generationen zu erhalten“, so Geschäftsführer Peter Frei über die Auszeichnung mit dem Austro-Vin-Nachhaltigkeits-Award 2026.
Im Weingarten werden gezielt die Bodenfruchtbarkeit und der Humusaufbau gefördert sowie schonende Bodenbearbeitung betrieben. Es wird mit Begrünungsmischungen gearbeitet, die die Biodiversität sowie die Wasserspeicherkapazität des Bodens erhöhen. Blühstreifen und Hecken leisten zusätzlich einen Beitrag zur Förderung des Ökosystems. Auf Herbizide wird verzichtet und allgemein reduzierter Pflanzenschutz betrieben. Anfallender Mist aus der Produktion sowie der betriebseigenen Schafhaltung wird kompostiert und im Weingarten zur Düngung ausgebracht. Durch Beweidung von Grünflächen sowie die Verwendung von Maschinenkombinationen wird auch der Einsatz von schweren Geräten bewusst reduziert.
Am Betrieb wird Energie aus der eigenen Photovoltaik und einer Hackschnitzelheizung eingesetzt und allgemein Wert auf effiziente und langlebige Technik gelegt. Da der Weinkeller des Stifts unterirdisch ist, wird dazu nur wenig Energie für die Kühlung benötigt. In der Weinbereitung wird mit nur wenig Schwefel und sonstigen Behandlungsmitteln gearbeitet. Durch die Wahl leichterer Flaschen und das Setzen auf lokale Lieferketten wird weniger CO2 in der Logistik verursacht.