LEITARTIKEL 06-2026

Qualitätsweinprüfung nach wie vor wichtig

Ein Artikel von CR Prof. DI Josef Glatt, MBA | 08.06.2026 - 12:28
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Die Banderole mit der staatlichen Prüfnummer bleibt ein wesentliches Element des Auftritts österreichischer Weine – die kommissionelle Verkostung soll aber zukünftig anders gestaltet werden © ÖWM / Robert Herbst

Genau vor zwei Jahren habe ich hier an dieser Stelle die Problematik der Prüfnummer im Zusammenhang mit der Entwicklung neuer Weinstile behandelt. Auf der einen Seite sind das Weine, die ihren Fokus weniger auf eine expressive Rebsortentypizität legen, sondern stärker auf die Darstellung ihrer Herkunft durch minimalen Eingriff bei der Vinifikation (etwa Spontangärung). Sie sind gerade im Export besonders erfolgreich und werden daher gerne unter dem Sammelbegriff „Weine mit internationaler Stilistik“ zusammengefasst. Abgesehen davon werden auf der anderen Seite auch immer mehr Weine mit deutlich alternativen Ausbauarten produziert (Orangeweine, Low-Intervention-Weine).

Weine aus beiden Stilen haben oft Probleme bei der sensorischen Qualitätsweinprüfung und müssen daher als Landwein oder als Wein aus Österreich klassifiziert werden. Nachteil für die Erzeuger ist dabei, dass sie ihre nähere Herkunft nicht deklarieren können. Nachteil für den Gesamtauftritt des österreichischen Weines vor allem im Export ist, dass wertige Weine nicht unter dem Dach des österreichischen Weines mit der rot-weiß-roten Banderole firmieren. Echte Alternativweine (Orange-Weine etc.) können aber nur dann im Herkunftssystem etabliert werden, wenn sie für den Konsumenten als solche erkennbar sind. Das bedeutet, sie müssen ähnlich den Prädikatsweinen in einer eigenen Kategorie als solche erkennbar sein. Das derzeit in Diskussion befindliche neue Weingesetz wird diese Kategorie als Low-Intervention-Weine etablieren.

Tatsächlich akuter Handlungsbedarf besteht aber bei den zuvor dargestellten Weinen mit internationaler Stilistik. Die Weinwelt bleibt nicht stehen und der Ausbaustil der internationalen Weine entwickelt sich weiter. Dabei geht es nicht um gut oder schlecht, sondern einfach darum, dass die internationale Fachwelt derartige Weine verlangt und forciert. Auch an Österreich gehen diese Trends nicht vorüber, weswegen sich viele Winzer in diese Richtung entwickeln. Daher ist auch ein staatliches Kontrollsystem angehalten, diese Entwicklungen stetig mitzuverfolgen. Die Prüfnummernverkoster müssen durch Schulung mit diesen Weinen internationalen Stils vertraut gemacht werden. Zugegeben ist dies bei Hunderten Prüfnummer-Verkostern schwierig und braucht Zeit. Bereits vor mehreren Jahren wurde mit dem Bundesamt für Weinbau in Eisenstadt vereinbart, eine spezielle Fachkommission aus staatlichen Prüfnummer-Verkostern einzusetzen. Dieser Ansatz wurde dann leider nicht weiterverfolgt, obwohl er auch hier im WINZER bereits öffentlich gemacht wurde.

Seit einigen Monaten wird in Arbeitsgruppen bekanntlich an einem neuen Weingesetz gearbeitet. Unter anderem soll auch das System der Prüfnummer überdacht werden. Seitens des Weinbauverbandes steht die obligatorische Prüfung jedes Qualitätsweines außer Frage. Aber um die Frage neuer Weinstile und um die Frage, ob ein Wein einen Weinfehler hat oder nicht, richtig beurteilen zu können, ist es notwendig, dass professionelle Koster zur Verfügung stehen, die laufend geschult werden. Es sind dabei auch keine Kostkommissionen von sechs Kostern notwendig. Es reichen Kostteams von zwei bis drei Personen, die aber tatsächlich Professionisten sind. Das wäre effektiver und auch kostengünstiger. Nach derzeitigem Diskussionsstand will das Ministerium Kostkommissionen mit fünf Kostern einsetzen, denen genaue Fehlerlisten vorgegeben werden, die im Ablehnungsfall angesprochen werden müssen. Daneben werden aufgrund der EU-Vorgaben stichprobenartig amtliche Proben gezogen, bei denen zusätzlich auch die vorgesehene Herkunft zu beurteilen ist. Ziel ist es, dass alle Weine, die ihre Herkunft widerspiegeln und qualitativ sowie analytisch einwandfrei sind, unter der rot-weiß-roten Banderole Platz finden.