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An manchen Standorten (und jungen Reben) hat die Trockenheit 2026 ihre Spuren hinterlassen, bei anderen zeigen sich vitale Weingärten  © W. Kaltzin

Leitartikel 09-2026

Jahrgang 2026 als ein Ausnahmejahr?

Ein Artikel von CR Prof. DI Josef Glatt, MBA | 07.09.2026 - 09:27

Punktuell kann ja bewässert werden und in manchen Gebieten gab es den einen oder anderen Niederschlag, aber insgesamt hat die umfassendste Trockenheit seit Aufzeichnungsbeginn die Rebstöcke massiv gefordert. Dazu kamen Hitzewellen, die eigentlich den gesamten Sommer andauerten. Das Überschreiten der 30-Grad-Grenze war nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel. Man war bereits froh, wenn die Temperaturen an manchen Tagen unter 35°C geblieben sind. Ein neuer historischer Temperatur-Rekord von über 41°C war die logische Folge.

Hoffen auf Regen

Zum Berichtszeitpunkt in der letzten Augustwoche bot sich daher folgendes Bild: Die Beeren waren aufgrund der durchgängigen Trockenheit sehr klein und die Mostausbeute gering. Besonders bei Junganlagen waren Notreife und teilweise welke Beeren zu beobachten. Dabei hätten ausreichende Niederschläge auch zu einem so späten Zeitpunkt noch sehr positive Auswirkungen. Die Zucker- und Säurewerte würden sich dadurch stabilisieren und die Beeren würden saftiger werden. Auch die aufgetretenen Stress-Symptome der Rebe würden gelindert und die Holzreife der Rebstöcke für das Folgejahr könnte sich besser entwickeln. Ob das eingetreten ist, kann zum Berichtszeitpunkt noch nicht abgeschätzt werden. Die Lese hat vielerorts jedenfalls begonnen und wird in vielen Gebieten bei Erscheinen dieser WINZER-Ausgabe bereits dem Ende zugehen.

Regen zum richtigen Zeitpunkt

Eines darf in diesem Zusammenhang auch nicht übersehen werden: Das Wasser, das durch die zunehmende Hitze verdunstet, muss irgendwann auch wieder herunter. Und das passiert mittlerweile immer öfter am Beginn des Herbstes, wenn die Tage wieder kühler werden, und dann sehr oft in geballter Form. Siehe dazu das Jahr 2024 oder heuer in Carnuntum zwischen Maria Ellend und Kittsee. Der früher gepriesene „Altweibersommer“, mit einem stabilen Hoch bis in den Oktober hinein, kann immer seltener angetroffen werden.

Klimawandel und Quarantäne-Krankheit

Die Weinwirtschaft muss auf verschiedenen Ebenen auf den doch überraschend schnell eingetretenen Klimawandel reagieren. Das beginnt mit dem Vorrücken des Vegetationsbeginns und der zunehmenden Gefahr von Spätfrost. Während der Vegetation ist mit Hitze und Trockenheit auf der einen Seite und mit verstärkten Unwettern inklusive Hagel auf der anderen Seite zu kämpfen. Auf Ernteversicherungen wird man zunehmend nicht verzichten können. Daneben sind neue, invasive Schädlinge durch die Klimaerwärmung ins Land gezogen. Die Kirschessigfliege verursacht schon seit Jahren Probleme. Die diesbezüglich größte Herausforderung stellt aber sicherlich die durch die Amerikanische Rebzikade übertragene Goldgelbe Vergilbungskrankheit (Flavescence dorée) dar. Beginnend vor einigen Jahren in der Steiermark, dann im Burgenland, ist sie jetzt erstmalig auch in Niederösterreich nachgewiesen worden. Ausgehend von einzelnen befallenen Rebstöcken, kann die Krankheit explosionsartig auf den ganzen Weingarten übertragen werden. Eine Infektion führt zum Absterben des Rebstocks. Eine rigorose Bekämpfung der Zikade, verbunden mit der konsequenten Rodung befallener Rebstöcke, ist in den Befallsgebieten alternativlos. Schließlich stellt die Krankheit, verursacht durch spezielle zellwandlose Bakterien (Phytoplasmen), die größte Bedrohung seit der Reblaus dar.