Rasch ist es nunmehr gegangen, dass die in Paris zusammengeführte Wine Paris mit Vinexpo Bordeaux die ProWein in Düsseldorf als Weltleitmesse abgelöst hat. Die durch den internationalen Messeveranstalter Vinexposium zusammengeführten Messen haben unter dem Namen „Wine Paris“ heuer vom 9. bis 11. Februar wieder auf dem Pariser Messegelände Porte de Versailles stattgefunden, und das mit durchschlagendem Erfolg. Innerhalb weniger Jahre sind die Kennziffern der Messe nahezu explodiert: 6.500 Aussteller aus 63 Ländern konnten über 63.000 Besucher aus knapp 170 Ländern begrüßen. Bei den internationalen Fachbesuchern gab es eine Steigerung von über 20%. Die Wichtigkeit der Messe auch für die französische Weinwirtschaft zeigte die Anwesenheit von Präsident Macron, des früheren Präsidenten Hollande und einiger weiterer ausländischer Minister bei der Eröffnung. Der französische Veranstalter scheint einiges richtig gemacht zu haben, und natürlich spielt auch die Attraktivität der Stadt Paris mit. Besonders gut angenommen wurde ein eigenes „Matchmaking-Tool“, das interessierte Aussteller und Besucher zusammenführte. Mit 143 österreichischen Ausstellern auf der Wine Paris ist der heimische Messeauftritt mittlerweile größer als der bei der ProWein.
Bei Erscheinen dieser WINZER-Ausgabe wird gerade auch die ProWein in Düsseldorf zu Ende gegangen sein. Sie ist nach wie vor die Leitmesse für den deutschsprachigen Raum, hat aber international doch gegenüber der Wine Paris verloren. Auf die Unzufriedenheiten der Aussteller und Besucher speziell im Bereich der Rahmeninfrastruktur wurde wohl etwas zu spät reagiert. Exorbitant hohen Hotelpreisen wurde heuer mit einer Buchungsplattform entgegengearbeitet, die Verkehrssituation bleibt problematisch. 4.000 Aussteller aus 65 Ländern (davon 133 aus Österreich) erwarteten die Fachbesucher. Den Produktkategorien Bio-Wein, Alkoholfreie Weine und Spirituosen wird auf beiden Messen mittlerweile viel Platz eingeräumt. Auch die asiatischen Ableger der beiden Messeveranstalter haben sich gut etabliert (Vinexpo Hongkong/Singapur und ProWine Shanghai).
Daneben gibt es weitere Weinmessen mit eher regionaler Bedeutung. Neben der ProWein hat sich Anfang März die Eurovino in Karlsruhe etabliert, wobei die Aussteller auf die deutschen Anbaugebiete konzentriert sind, aber bei den Fachbesuchern auch viele kleine Wiederverkäufer zu finden sind. Auch die Vinitaly in Verona, die früher sehr international aufgestellt war, ist mittlerweile auf Italien konzentriert. Im Bio-Bereich gibt es wiederum eigene Messeangebote. Die größte diesbezügliche Weinmesse ist die Millésime BIO in Montpellier. Viele österreichische Aussteller haben sich von dort aber wieder zurückgezogen. Näher wäre hier schon die BIOFACH in Nürnberg, auch wenn sie keine Weinmesse, sondern eine Gesamtlebensmittelmesse für den Bio-Anbau ist. Ganz dem Bio-Wein und den Naturweinen verschrieben hat sich die kleine, aber feine Weinmesse „KARAKTERRE“, die auf Kloster Eberbach im Rheingau und auf Schloss Esterházy in Eisenstadt stattfindet.
Auf nationalem Spielfeld von besonderer Bedeutung ist die in zweijährigem Rhythmus heuer wieder stattfindende VieVinum in der Wiener Hofburg. Von 16. bis 18. Mai erwarten 500 Aussteller ihre Gäste im imperialen Rahmen der Hofburg. Allein die ÖWM bringt über 1.000 internationale Fachleute zu diesem Event nach Wien. Ein Event, bei dem sich die österreichische Weinwirtschaft sicher von seiner besten und schönsten Seite präsentiert. Und gerade in unserer heutigen Zeit, wo der Weinwirtschaft absatzmäßig mehr Wind entgegenbläst, ist es notwendiger denn je, offensiv an Märkte heranzutreten. Weinmessen mit dem direkten und persönlichen Kontakt zum Kunden sind und bleiben ein geeignetes Medium dafür.