LA-11-2025.jpg

Gut gefüllte Lesekisten in Österreich im Gegensatz zu nennenswerten Ertragsausfällen in vielen großen Weinländern © W. Kaltzin

Leitartikel 11-2025

EU-Weinernte wieder gering

Ein Artikel von CR Prof. DI Josef Glatt, MBA | 11.11.2025 - 15:47

Insgesamt scheint es aber ein Jahrgang zu werden, der den geänderten Konsumerwartungen der Konsumenten durchaus entgegenkommt – nämlich in Richtung leichtere und frische Weine. Gerade im Weißweinbereich wird die heurige Ernte auch aufgrund des zurückgegangenen Weinbestandes wegen der kleinen Ernte 2024 wohlwollend angenommen.

Wetteranomalien mit Folgen

Betrachtet man den europäischen Weinsektor insgesamt, so wird mit rund 145 Mio. hl die dritte aufeinanderfolgende kleine Weinernte erwartet. Eine Weinmenge, die 7,5% unter dem 5-Jahres-Durchschnitt liegt. Dabei ist der Trend der kleineren EU-Weinernten seit Längerem zu beobachten, wobei die Gründe dafür sehr vielfältig sind. Die drei größten Weinproduzenten der EU – und damit auch der Welt – spiegeln diesen Trend wider. Gerade einmal Italien wird mit 47 Mio. hl etwas mehr als im Vorjahr ernten, wogegen Frankreich mit 37Mio. hl und Spanien mit 

31 Mio. hl wieder deutlich unter den Durchschnitt der vergangenen Jahre fallen. Auch Deutschland und Portugal erwarten eine sehr kleine Weinernte. Der Grund für die kleinen Weinernten sind wiederum große Wetteranomalien im Jahr 2025: Hitzewellen, Trockenheit und Überschwemmungen waren wieder die Ursachen dafür, dass auch die heurige Weinernte das Ernteniveau vor 2020 nicht erreichen kann. Ende August gab es im südlichen Frankreich sogar Brände, die 1.000 Hektar direkt zerstörten und auf 16.000 Hektar einen indirekten Einfluss hatten.

Verhaltene Konsumfreude 

Des Weiteren bleibt die Nachfrage nach Wein relativ niedrig und die Produktionskosten sind relativ hoch. Die Zollpolitik des größten Auslandsmarkts für europäischen Wein, die USA, tut dabei ihr Übriges. Aber auch in Europa sind Inflation und Unsicherheiten auf dem Arbeitsmarkt Gründe für eine verhaltene Konsumfreude. Auch gibt es substanzielle Veränderungen im Kaufverhalten der Konsumenten, was besonders den Rotweinmarkt trifft. Manche Länder, speziell Frankreich, haben bereits mit umfangreichen national finanzierten Rodungsprogrammen begonnen.

Bitte warten 

Das sehnlich erwartete Weinentlastungspaket der Europäischen Union ist nach wie vor in Diskussion. Nach Positionierung des Europäischen Rates und des Europäischen Parlaments geht es nunmehr im sogenannten „Trilog“ darum, Kompromisse zu finden. Die Hoffnung ist groß, dass bis Ende des Jahres der Trilog beendet werden und das Weinpaket in Umsetzung gelangen kann. 

Die kürzlich stattgefundene Versammlung der Europäischen Weinbauregionen in Straßburg hat diese Forderung bei den europäischen Stellen deponiert. Bei dieser Versammlung der Europäischen Weinbauregionen wurde im Übrigen der österreichische Weinbaupräsident Johannes Schmuckenschlager zum neuen Präsidenten des Europäischen Rates der berufsständischen Weinbauvertreter (CEPV) gewählt, wozu wir an dieser Stelle zu dieser verantwortungsvollen Position sehr herzlich gratulieren. Eine herausfordernde Aufgabe in einer für den europäischen Weinbau schwierigen Zeit.