Neuer Geschäftsführer: Mit der Wahl von Stefan Kast zum Geschäftsführer des Österreichischen Weinbauverbandes hat der Vorstand frühzeitig für einen geordneten Übergang gesorgt und gleichzeitig die Kontinuität in der Interessenvertretung sichergestellt. „Josef Glatt bleibt bis zu seinem Pensionsantritt Ende Oktober als Direktor bzw. Geschäftsführer voll verantwortlich und wird gemeinsam mit Stefan Kast die Geschäfte führen. Mit 1. November übernimmt Kast die alleinige Geschäftsführung“, betont Johannes Schmuckenschlager, Präsident des Österreichischen Weinbauverbandes.
Kleine Weinernte erwartet: Ein weiteres Thema der Vorstandssitzung war die beispiellose Trockenheit des heurigen Jahres. „Wie es derzeit aussieht, werden wir eine sehr kleine Weinernte erwarten, wobei seriöse Mengenschätzungen derzeit nicht möglich sind. Punktuell gab es in den Weinbaugebieten vereinzelt Niederschläge, aber insgesamt muss derzeit von einem historischen Niederschlagsdefizit gesprochen werden, so Glatt. Besonders bei Junganlagen seien Notreife und teilweise welke Beeren zu beobachten, so sie nicht vorsorglich entfernt wurden, um die jungen Stöcke vor Schäden zu retten.
Herkunft und Wettbewerbsfähigkeit im neuen Weingesetz verankern: Breiten Raum nahm in der Vorstandssitzung das neue österreichische Weingesetz ein. Der Österreichische Weinbauverband bekennt sich zu einer Modernisierung und Anpassung an die unionsrechtlichen Vorgaben. Entscheidend sei jedoch, dass das neue Gesetz die Herkunft und Qualität österreichischer Weine absichert, die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe stärkt und zusätzliche Bürokratie vermeidet. Besondere Bedeutung misst der Verband der Weiterentwicklung des österreichischen Herkunftssystems und der künftigen Rolle der Erzeugervereinigungen bei. Diese sollen als demokratisch legitimierte Träger der Herkunfts- und Qualitätsdefinition eine starke Position erhalten. „Gleichzeitig müssen bestehende Strukturen in Form der Weinbauvereine sinnvoll eingebunden, praxistaugliche Übergangsfristen geschaffen und die Finanzierung der neuen Aufgaben sichergestellt werden“, so Johannes Schmuckenschlager.
Koordiniertes Vorgehen bei Goldgelber Vergilbung und Rebzikade notwendig: Große Sorge bereitet dem Vorstand die Entwicklung der Goldgelben Vergilbung der Rebe (Flavescence dorée) und der sie übertragenden Amerikanischen Rebzikade. Als meldepflichtige Quarantänekrankheit stellt sie für den heimischen Weinbau eine ernste Bedrohung dar. Gefordert wird deshalb ein österreichweit abgestimmtes Vorgehen von Bund, Ländern, Behörden, Wissenschaft, Beratung und Weinwirtschaft. Ziel muss ein einheitliches Lagebild sowie eine koordinierte Vorgangsweise bei Monitoring, Probenahme, Vektorbekämpfung, Rodungen, Pflanzmaterial und Finanzierung sein. Der Verband spricht sich für die Einrichtung eines Nationalen Krisenstabes aus. Die behördliche Gesamtverantwortung soll beim Bund liegen, während BAES und AGES die fachliche Steuerung übernehmen. Der Österreichische Weinbauverband soll als zentrale Schnittstelle zur Praxis insbesondere die Branchenkoordination und Kommunikation mit den Weinbaubetrieben übernehmen.
Krisendestillation bei Rotwein als Maßnahme prüfen: Angesichts des rückläufigen Konsums, steigender Produktionskosten, einer schwächeren Exportdynamik und teilweise hoher Lagerbestände befasste sich der Vorstand auch mit möglichen Instrumenten zur Stabilisierung des Weinmarktes. Der Österreichische Weinbauverband fordert, gemeinsam mit dem zuständigen Bundesministerium die österreichische Marktlage anhand belastbarer Daten zu Lagerbeständen, Preis-, Absatz- und Exportentwicklung sowie zur wirtschaftlichen Situation der Betriebe zu analysieren und darauf aufbauend die Voraussetzungen und Auswirkungen einer möglichen österreichischen Antragstellung zu prüfen.
Weinbau schafft enorme Wertschöpfung: Neben den aktuellen Herausforderungen verwies der Vorstand auch auf die enorme volkswirtschaftliche Bedeutung des österreichischen Weinbaus. Eine Wertschöpfungsstudie zeigt, dass die österreichische Weinwirtschaft jährlich rund 3,8 Mrd. Euro Bruttowertschöpfung, mehr als 68.000 Arbeitsplätze sowie rund 1,2 Mrd. Euro an Steuern und Abgaben sichert. Die wirtschaftliche Bedeutung reicht dabei weit über die Weinbaubetriebe hinaus. Gastronomie, Tourismus, Handel, Verarbeitung und zahlreiche regionale Dienstleister profitieren unmittelbar von einer starken heimischen Weinwirtschaft.
Verband fordert geschlossenes Vorgehen für die kommenden Herausforderungen: Der Vorstand sieht den österreichischen Weinbau vor einer Phase großer Veränderungen. Rückläufiger Weinkonsum, steigende Produktionskosten, zunehmender internationaler Wettbewerb, neue rechtliche Rahmenbedingungen und pflanzengesundheitliche Herausforderungen verlangen nach einer starken und geeinten Interessenvertretung. „Die Herausforderungen sind groß, aber Österreich verfügt über hervorragende Weinbaubetriebe, starke Regionen und international anerkannte Weine. Unsere Aufgabe als Weinbauverband ist es, die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen so mitzugestalten, dass unsere Familienbetriebe auch in Zukunft erfolgreich wirtschaften können. Herkunft, Qualität und Wertschöpfung müssen dabei unsere Leitlinien bleiben“, so Schmuckenschlager abschließend.