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Anfang des Jahres errichtete der Weinbauverein Rust im bereits zweiten Projekt unter der fachkundigen Anleitung der Trockensteinmauernschule Österreich eine historische Terrassenmauer neu. Nun folgten weitere Projekte in der Thermenregion und in der Südsteiermark.
Mauerbau in der Modellregion Thermenlinie
Unterstützt durch den Biodiversitätsfonds und ortsansässige Winzer setzen die Gemeinde Gumpoldskirchen, die Region KLAR! Thermenlinie, der Biosphärenpark Wienerwald, der örtliche Landschaftspflegeverein sowie der Verein Landimpulse ein sichtbares Zeichen für nachhaltige Entwicklungen in der Region. Stein für Stein wächst hier ein besonderes Gemeinschaftsprojekt heran: In den kommenden zwei Jahren entsteht in den Weingärten der Gemeinde Gumpoldskirchen eine Trockensteinmauer als Teil einer Initiative zur Förderung der Biodiversität. Die Mauer liegt direkt an der Weinstraße beim „Roten Mäuerl“ vor dem öffentlichen Parkplatz und soll insgesamt eine Länge von 50 bis 80 Laufmetern erreichen. Ursprünglich stand hier bereits eine Mauer, dann eine Böschung – nun soll sie auf gesamter Länge mit Ausnahme von Gehölzbereichen reaktiviert werden.
Von ihrer ökologischen und kulturellen Bedeutung konnten sich bereits die ersten Teilnehmer eines dreitägigen Praxiskurses überzeugen – darunter Winzer aus Gumpoldskirchen sowie Bauhofmitarbeiter aus Traiskirchen. Ergänzt wurde der Kurs durch einen Fachvortrag von Rainer Vogler von der Trockensteinmauernschule Österreich, der auch zahlreiche interessierte Besucher anzog.
„Die Trockensteinmauer ist eines von vielen Projekten, mit denen wir die Biodiversität in unserer Gemeinde gezielt stärken“, erklärt Maria von Balthazar, Umweltgemeinderätin in Gumpoldskirchen. „Die KLAR! Thermenlinie zählt zu den artenreichsten Regionen Österreichs. Trockensteinmauern leisten dabei einen wichtigen Beitrag, da sie wertvolle Lebensräume schaffen. Ergänzend setzen wir auf Maßnahmen wie Naturwiesen, die Bekämpfung invasiver Neophyten sowie die Verbesserung des Mikroklimas“, ergänzt Louisa Schauer, Geschäftsführerin von der Modellregion Thermenlinie.
Auch die Vereinsobleute Christoph Kainz und Natalie Scharschon sehen in dem Projekt ein starkes Zeichen: „Wir sind stolz, dieses UNESCO-Kulturgut in unserer Weinbauregion lebendig zu halten – und damit gleichzeitig einen wertvollen Beitrag für Natur, Landschaft und den Weinbau zu leisten.“
Links die Gumpoldskirchener Projektteilnehmer mit den Initiatoren am Ort des Mauerbaus zu Beginn der Bauarbeiten. Für die Planung und Vorbereitung des Projekts war das Engagement einzelner Winzer unerlässlich – sie haben auch die recycelten Steine organisiert. Die Bauphasen des mehrjährigen Projekts finden außerhalb der Winterruhe von Reptilien statt. © Sonja Pohl, Christian Göbel
Projekte in der Südsteiermark
Seit 2024 wird im Naturpark Südsteiermark das ELER-Projekt „Weingärten im Biotopverbund“ mit zahlreichen Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität auf Weinanbauflächen umgesetzt. Ziel ist es, ein funktionierendes Biotopverbundsystem aufzubauen, zu stärken und langfristig zu sichern. Weinbauflächen werden dabei nicht isoliert betrachtet, sondern als Teil einer vielfältigen, strukturreichen Kulturlandschaft, in der ökologische Akzente gezielt ergänzt werden. Bereits im vergangenen Jahr konnten umfangreiche Maßnahmen realisiert werden, die Lebensräume schaffen, ökologische Wechselwirkungen fördern und die Resilienz der Landschaft erhöhen. Zur Teilnahme am Projekt sind acht Weinbaubetriebe aus Ehrenhausen an der Weinstraße, Gamlitz, Kitzeck im Sausal, Leutschach an der Weinstraße und Straß in Steiermark im Gebiet des Naturparks Südsteiermark angemeldet.
Das Frühjahr 2026 stand ganz im Zeichen von Steinmauern. Mit Rainer Vogler, Norbert Haase und Thomas Waltl von der Trockensteinmauernschule Österreich konnten ausgewiesene Fachexperten für das Projekt gewonnen werden. Im Rahmen eines dreitägigen Workshops für Weinbaubetriebe aus der Region wurde beim Weingut Polz in der Naturparkgemeinde Straß in der Steiermark eine Trockensteinmauer in Handarbeit errichtet. Dabei wurden den Kursteilnehmern nicht nur die Grundlagen des Handwerks nähergebracht. Rainer Vogler und sein Team wiesen im Zuge des Baufortschritts auch immer wieder auf die Bedeutung solcher Elemente für Reptilien und Amphibien als wertvollen Lebensraum hin. „Ein gelungenes Projekt, unterstützt vom südsteirischen Naturpark für die Biodiversitätsförderung“, so Erich Polz senior. „Die Trockensteinmauer dient der Erhaltung dieses Handwerks im südsteirischen Raum. Weiters ist der neue Platz eine zusätzliche Bereicherung für die Besucher des südsteirischen Weinlandes.“
Im Zuge eines Projekttags der Fachschule Silberberg wurde auch die Zusammenarbeit zwischen Silberberg und der Trockensteinmauernschule intensiviert. Dazu arbeiteten Schüler unter Anleitung von Rainer Vogler an der Errichtung einer Trockensteinmauer auf dem Gelände der Fachschule. Ergänzend dazu wurde über das Projekt ein öffentlicher Fachvortrag an der Schule veranstaltet.
Auch auf regionaler Ebene wurden Synergien genutzt. Über das von Projektleiterin und Biodiversitätsexpertin Anna Luidold betreute LEADER-Projekt „Naturverbunden Südsteiermark“ wurde in Kooperation mit Rene Siener, KEM/KLAR-Manager für die Region Sulmtal-Sausal, ein weiterer Kurs zu Trockensteinmauern in der Naturparkgemeinde Kitzeck im Sausal organisiert. Dieser richtete sich an interessierte Bürger und fand auf dem Gelände des Weinmuseums statt. Unterstützt wurde der Workshop durch Bürgermeister Josef Fischer. Er stellte nicht nur die Flächen für die Errichtung des neuen Steinhabitats zur Verfügung, er sorgte auch persönlich dafür, dass seine Bauhofmitarbeiter tatkräftig an diesem Projekt mitwirkten.
Die umgesetzten Maßnahmen und Veranstaltungen zeigen beispielhaft, wie durch Kooperationen, fachliche Expertise und regionales Engagement eine „Grüne Infrastruktur“ entstehen kann. Die Projekte sind frei zugänglich und stehen der Öffentlichkeit als Best-Practice-Beispiele zur Verfügung. Somit leisten sie einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung der steirischen Gesellschaft und Kulturlandschaft, so Anna Luidold vom Naturpark Südsteiermark.
Den Betreibern der Schule ist die Zusammenarbeit mit Weinbauschulen ein besonderes Anliegen. Ende Juni folgten daher zwei weitere Projekttage in den Schulweingärten in Klosterneuburg. Schüler der Weinbauschule Krems nehmen zudem laufend im Praxisunterricht an Sanierungen am Kremser Kögl sowie am Mauerbau im Permakulturgarten teil.
Am steilen Seitenhang des Weinbaumuseums in Kitzeck im Sausal wurde auf Initiative des Bürgermeisters Josef Fischer gemeinsam mit Bürgern eine Mauer errichtet. © Regionalmanagement Südweststeiermark KC
Nähere Informationen zu Trockensteinmauern und ihren Funktionen finden sich in der WINZER-Ausgabe 1/2026:
Zur Rolle von Trockensteinmauern in Österreich
Weltkongress zu Trockensteinmauern in Krems