Wasserversorgung für Jungreben

Durst stillen in jungen Jahren

Ein Artikel von Redaktion | 12.02.2026 - 13:46

Jungreben sind bis zur erfolgreichen Einwurzlung in tiefere Schichten des Bodens empfindlich für Austrocknung und werden daher oft zusätzlich bewässert. Besonders in niederschlagsarmen bzw. heißen Jahren oder an generell trockenen Standorten kann es ohne entsprechendes Gegenlenken zu Ausfällen kommen. Das macht wiederum zeitaufwändige Nachpflanzungen notwendig, denn ein lückenloser Bestand zählt zur guten weinbaulichen Praxis, unter anderem um Abdrift von Pflanzenschutzmitteln zu reduzieren.

Neben der Wahl einer passenden Unterlage empfiehlt es sich, den Boden in der Neuanlage offen zu halten, um die Wasserkonkurrenz zwischen Jungreben und Begrünungspflanzen zu reduzieren. Auch die Abdeckung des Bodens mit Mulch kann die Verdunstung reduzieren und den Wasserhaushalt im Boden zu einem gewissen Grad stabilisieren.

Die Sicherstellung der Wasserversorgung mittels Tropfbewässerung ist mit hohen Anschaffungs- und Installationskosten verbunden und in vielen Gegenden aufgrund der mangelnden Verfügbarkeit einer Wasserquelle schlichtweg nicht möglich. Das Gießen der Setzlinge mit Tanks zählt daher zu den gängigeren, aber ebenfalls aufwändigen Methoden, um eine Junganlage gut über das erste Jahr bringen zu können. Wird dabei nicht mit der notwendigen Muße vorgegangen, kann ein Teil des Gießwassers oberflächlich abfließen, ohne der bedürftigen Jungrebe zugutezukommen. Besonders beim Untersetzen junger Reben in bestehende Anlagen ist das Gießen mittels Tanks entsprechend umständlich, und ohne sichtbare Markierungen können Setzlinge leicht übersehen werden.

Risikoversicherung im Boden

Die Einarbeitung von Pflanzenkohle in den Weingartenboden oder auch direkt in das Pflanzloch bzw. den Wurzelraum ist eine Möglichkeit, um die Wasserverfügbarkeit für die Reben zu erhöhen und diesen über trockene Perioden hinwegzuhelfen. Die Wirksamkeit der Maßnahme konnte mittlerweile in zahlreichen wissenschaftlichen Studien belegt werden und dürfte einen langfristigen Effekt haben.

Seit einigen Jahren sind auch sogenannte Hydrogele bzw. „Superabsorber“ auf dem Markt, die bei der Pflanzung direkt in das Pflanzloch zugegeben werden. Die Stoffe basieren auf Komponenten wie pflanzlicher Zellulose oder Lignin und quellen bei Wasserkontakt auf. Bei Trockenstress steht dadurch zusätzliches Wasser zur Verfügung, das den Setzlingen über solche Phasen hinweghelfen kann. Die Hydrogele verbleiben rund fünf Jahre im Boden und bauen sich langsam ab.

Zur Wirksamkeit der Hydrogele gibt es mittlerweile positive Rückmeldungen aus der weinbaulichen Praxis und der Waldwirtschaft. Für die landwirtschaftliche Anwendung können Hydrogele und Pflanzenkohle zusätzlich mit Nährstoffen angereichert werden, um eine Verbesserung der Nährstoffversorgung in den ersten Jahren zu erzielen.

Mobile Tropfbewässerungslösung

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Für Weinreben wurde ein eigener Bewässerungssack in Deutschland entwickelt, der WineBuddy © TreeBuddy    

Mithilfe von Studierenden an der Weinbau-Hochschule in Geisenheim entwickelte der Institutsleiter für ökologischen Weinbau, Prof. Manfred Stoll, eine weingartenangepasste Variante des sogenannten „TreeBuddys“, der von einer Frankfurter Firma produziert wird. Die Bewässerungssäcke wurden ursprünglich für die Bewässerung von Bäumen entwickelt und in deutschen Gemeinden entsprechend genutzt.

Die erfolgreiche Bewässerungslösung wurde für die Anwendung im Weinbau adaptiert und kann dadurch leicht an den untersten Zeilendraht neben untergesetzte Jungreben gehängt werden. Der widerstandsfähige Bewässerungssack fasst ein Volumen von 12–15 Litern Wasser, wird einfach von oben befüllt und gibt seinen Inhalt im Verlauf der folgenden zwei bis drei Stunden tröpfchenweise an die zu versorgende Rebe ab. Durch die verzögerte Abgabe des Wassers wird sichergestellt, dass dieses den Boden gut durchdringt und nicht ungenutzt abfließen kann. Die auffallende Färbung des „Wein-Buddys“ erleichtert zudem das Auffinden der Jungreben im bestehenden Weingarten.

Die Bewässerungssäcke werden aus besonders strapazierfähigem Material in Deutschland gefertigt und sind für einige Jahre (wieder)verwendbar.