Die Winzer, die täglich in der freien Natur arbeiten, haben ohnehin keinen Zweifel. Aber wenn es noch eines Beweises für den Klimawandel bedurfte, dann wurde er im heurigen Jahr nachhaltig erbracht.... Mehr lesen ...
Nachdem ich mit Ende Oktober in der Landwirtschaftskammer Österreich meine Tätigkeit beende, werde ich mich konsequenterweise auch als Geschäftsführer des Österreichischen Weinbauverbandes und als Chefredakteur der Fachzeitschrift DER WINZER zurückziehen. Es war eine lange Zeit, in der ich den österreichischen Weinbau begleiten durfte, und doch eine Zeit, die wie im Nu verflogen ist.
Von der Aufbruchstimmung zum Weinwunder
Ich hatte das Glück, in einer Phase des Weinbaues tätig zu sein, in der es nach dem unglückseligen Weinskandal eigentlich immer nach oben gegangen ist. Es war eine Zeit des Aufbruches, in der viele neue Betriebe entstanden sind oder sich vom Trauben- oder Fassweinproduzenten zum Flaschenweinverkäufer entwickelt haben. Es war aber auch eine Zeit, in der viele legistische Anpassungen vorgenommen werden mussten, und dabei auch Sorge getragen werden musste, dass sie in der Winzerschaft ankommen. Gerade das nach dem Weinskandal diktierte Weingesetz 1985 bzw. 1986 war vielfach bürokratisch und in manchen Punkten undurchführbar. Mit beinahe jährlichen Weingesetznovellen wurde die Umsetzung praktikabler gemacht, aber an den Eckpunkten festgehalten: Einführung eines Hektarhöchstertrages für Qualitätswein, obligatorische staatliche Qualitätsweinprüfung und Einführung der Banderole, die zu Beginn als Mengenkontrollinstrument, später dann das Zeichen für den österreichischen Qualitätswein wurde. Mit den jährlichen Gesetzesanpassungen wurde auch sukzessive der gemeinsame EU-Rechtsbestand übernommen, was sich 1995 beim EU-Beitritt als sehr positiv herausgestellt hat. Mit dem EU-Beitritt konnte eine massive steuerliche Entlastung des Weines umgesetzt werden: Abschaffung der Wein- und Getränkesteuer, später auch der Schaumweinsteuer, Beibehaltung der Umsatzsteuerpauschalierung und der Ausgabenpauschalierung bei der Einkommensteuer.
Vom Rebsorten- zum Herkunftsmarketing
Vor dem offenen Binnenmarkt beim EU-Beitritt gab es viele Befürchtungen, gegen die man sich im Beitrittsvertrag absichern wollte, die aber letztendlich Großteils unbegründet waren. Was aber doch deutlich spürbar wurde, war die Erkenntnis, dass man in einem großen Markt mit Rebsortenmarketing austauschbar wird. Deswegen wurde Anfang der 2000er-Jahre verstärkt auf Herkunftsmarketing umgestellt. Mit der Einführung der Regionalen Weinkomitees wurden in den Gebieten Herkunftsweine (DAC) geschaffen und den Herkünften auch Profil gegeben. Als übergeordnete Clearingstelle wurde das Nationale Weinkomitee eingerichtet, das ich von Beginn an zu verwalten hatte. Einiges an Handlungsbedarf gab es auch bei den engeren Herkünften. Die Rieden wurden parzellenscharf abgegrenzt und die Ortsweinherkünfte auf die wesentlichen reduziert. Aufgrund neuer EU-Vorgaben sind die Regionalen Weinkomitees nun in Erzeugervereinigungen umzuwandeln.
Förderprogramme und Nachhaltigkeits-Zertifizierung für die Branche
Zur Entwicklung des Sektors war es immer wichtig, die EU-Fördertöpfe richtig anzusprechen. Neben diversen Investitionsförderprogrammen war es meines Erachtens besonders wichtig, Umweltleistungen zu fördern und entsprechend abzugelten. Dazu war es notwendig, den Weinbau im Österreichischen Programm für Umweltgerechte Landwirtschaft (ÖPUL) zu verankern. Damit war es möglich, den Bio-Weinbau, aber auch andere Einzelmaßnahmen wie zum Beispiel den Erosionsschutz in den Weingärten, zu fördern. Flächendeckende Begrünungen in den österreichischen Weinbaufluren sind nun das erfreuliche Ergebnis. Vor knapp 20 Jahren habe ich eine Arbeitsgruppe eingerichtet, um das wichtiger werdende Thema Nachhaltigkeit in der Branche zu etablieren. Aus dem damals entwickelten Online-Tool zu Schulungszwecken haben wir dann die Nachhaltigkeitszertifizierung „Nachhaltig Austria“ des Österreichischen Weinbauverbandes weiterentwickelt, die bereits über 30 % der österreichischen Rebfläche abdeckt.
Gemeinsam stärker
Wichtig war meines Erachtens auch immer die internationale Vernetzung, um Dinge für die Branche zu erreichen. Sei es in der Internationalen Weinorganisation (OIV), dem Europäischen Bauernverband (COPA) oder in der Konferenz der Europäischen Weinbauregionen (AREV). Aber auch dort muss mittlerweile überall die Erkenntnis gezogen werden, dass das Umfeld für die Branche schwieriger geworden ist. Der Konsum von Alkohol ist weltweit sinkend und die Rahmenbedingungen werden schwieriger. Die Produktionskosten steigen, ohne dass sie entsprechend am Markt untergebracht werden können. So werden auch die kommenden Generationen wieder vor Herausforderungen gestellt, denen man offensiv begegnen muss. Mein Appell dabei ist: Nur wenn die Branche gemeinsam an einem Strang zieht, alle ins Boot geholt werden und keine Gruppenbefindlichkeiten entstehen, wird sie in der Gesellschaft auch etwas erreichen können.
Danke an Wegbegleiter
Am Ende möchte ich mich besonders bei meinen beiden Präsidenten bedanken, mit denen ich lange Jahre zusammenarbeiten durfte. Zuerst viele Jahre mit ÖkR Josef Pleil und dann, mittlerweile auch schon 13 Jahre, mit Abg. z. NR Johannes Schmuckenschlager. Ich bedanke mich bei den Funktionären, bei meinen Kollegen in den Ministerien und in den Kammern für die immer kollegiale Zusammenarbeit und speziell, wenn es um den WINZER geht, beim Redaktionsleiter Walter Kaltzin für die jahrzehntelange gute Zusammenarbeit. Meinem Nachfolger Stefan Kast wünsche ich alles Gute zum Wohle der österreichischen Weinwirtschaft.