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Was bringt der Jahrgang 2026? Top-Winzer Leo Sommer, Herbert Oschep, Geschäftsführer Weintourismus Burgenland GmbH und Obmann von Wein Burgenland, sowie Burgenland-Weinbaupräsident Andreas Liegenfeld geben ihre Ernteaussichten preis (v.l.) © W. Kaltzin

Pressekonferenz in Donnerskirchen

Gemischte Gefühle zum Ernteauftakt

Ein Artikel von DI Walter Kaltzin | 24.08.2026 - 16:27
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Überraschend vitale Weingärten lassen einen guten Jahrgang erwarten (links) – auf seichten und sandigen Standorten gibt es aber Trockenheitsprobleme © W. Kaltzin

Der Geschäftsführer der Weintourismus Burgenland GmbH und Obmann von Wein Burgenland, Herbert Oschep, begrüßte in Donnerskirchen die Medienvertreter und fand bewusst klare und ehrliche Worte zur aktuellen Situation am Weinmarkt: „Die Zeit des Weinverteilens ist vorbei – wir sind in der schwierigen Zeit des Weinverkaufs angekommen.“ Weltweit sei zu viel Wein auf dem Markt. Gleichzeitig stelle das heurige Winzerjahr aufgrund der anhaltenden Trockenheit eine besondere Herausforderung dar. Seitens des Landestourismus versuche man, möglichst viele Synergien zu nutzen und den Winzern etwa mit Veranstaltungen eine Bühne zu bieten. Über die Quantität werde sich das Burgenland am Markt nie behaupten können, so Oschep. Umso wichtiger sei es, den Fokus konsequent auf die Qualität zu legen.

Gute Aussichten trotz schwieriger Witterungsbedingungen

Seitens der Winzerschaft nahm der Donnerskirchner Winzer Leo Sommer zu den Ernteerwartungen Stellung. Erste Reifeanalysen würden starke standortabhängige Unterschiede zeigen. Gleichzeitig werde deutlich, wie unterschiedlich die einzelnen Rebsorten auf Hitze und Trockenheit reagieren. Abgesehen von Junganlagen und Weingärten auf seichtgründigen Böden zeigten sich die Trauben mit überraschend hoher Säure und schöner Frische. Das lasse auf einen guten Jahrgang hoffen. „Die Winzer haben es vielfach selbst in der Hand, ihre Weingärten für solche Witterungsextreme zu rüsten“, betonte Sommer. Wasserspeichernde Böden, Begrünung und Humusaufbau werden immer wichtiger. Die Kleinteiligkeit des heimischen Weinbaus bringe dabei einen wesentlichen Vorteil: Durch die Vielzahl unterschiedlicher Lagen werde das Risiko größerer Ausfälle minimiert. Insgesamt erwartet Sommer einen Jahrgang 2026, der Ähnlichkeiten mit dem Jahrgang 2024 aufweist. Aufgrund der hohen Temperaturen dränge sich zudem eine Lese in den kühleren Morgenstunden auf. Betriebswirtschaftlich sieht Sommer eine starke Professionalisierung in der Weinbranche. Im Weinbau habe man – im Gegensatz zu vielen anderen landwirtschaftlichen Produkten – die Möglichkeit, selbst für eine höhere Wertschöpfung zu sorgen.

Rebstock als Wunder der Natur

Burgenlands Weinbaupräsident Andreas Ligenfeld hob in seiner Einschätzung des Jahrgangs 2026 die außergewöhnlichen Fähigkeiten des Rebstocks hervor. Während andere Pflanzen angesichts der Trockenheit um ihr Überleben kämpfen würden, zeige sich die Rebe einmal mehr als „Wunder der Natur“. Die jüngsten Niederschläge von rund 20 bis 30 Millimetern hätten die Situation verbessert. Insgesamt sei daher mit einer Erntemenge in der Größenordnung des kleinen Jahrgangs 2024 zu rechnen – und damit rund ein Drittel weniger als 2025. Am Weinmarkt gebe es derzeit in verschiedenen Segmenten Herausforderungen. Heute entscheide vielfach bereits die Weinfarbe über Absatzprobleme. Gleichzeitig warnte Liegenfeld davor, Rotwein zu vernachlässigen. Auch beim Wein gebe es immer wieder Trends. Als Winzer müsse man jedoch langfristig denken. Der Ernteauftakt 2026 steht damit im Zeichen widersprüchlicher Entwicklungen: Die Witterungsbedingungen fordern die Winzer, gleichzeitig zeigen die Reben eine bemerkenswerte Widerstandskraft. Und während der Weinmarkt weiterhin vor großen Herausforderungen steht, bleibt die Qualität des burgenländischen Weins der entscheidende Schlüssel für die Zukunft, schloss Liegenfeld.

Dank gesunder Trauben, einer engagierten Winzerschaft und einem klaren Fokus auf Qualität blickt das Burgenland zuversichtlich auf die weitere Weinlese 2026.