Die Änderungen bringen höhere Fördersätze, mehr Flexibilität bei laufenden Projekten und zusätzliche Fördermöglichkeiten für moderne Kellertechnik. Gleichzeitig sollen die verfügbaren EU-Mittel in... Mehr lesen ...
Ökonomierat Klaus Schneider, Präsident des Deutschen Weinbauverbands (DWV), Johannes Schmuckenschlager, Präsident des Österreichischen Weinbauverbands und Vizepräsident der Versammlung der europäischen Weinbauregionen (AREV), sowie Gerhard Brauer, Vorsitzender des Verbands Deutscher Weinexporteure e.V., diskutierten im Rahmen der Pressekonferenz über zentrale Herausforderungen des europäischen Weinbaus.
Weinsektor darf nicht unter die Räder kommen
Die Verhandlungen über die GAP nach 2027 gehen in eine entscheidende Phase. Für den Weinbau geht es um den Erhalt der spezifischen Unterstützung des Sektors und um faire Wettbewerbsbedingungen in Europa. Die Vertreter der Weinbauverbände begrüßten dabei wichtige Änderungsanträge im Europäischen Parlament, insbesondere zum Erhalt der bewährten Interventionen des Weinsektors und zur Möglichkeit, die Rotationsbrache im Weinsektorenprogramm zu verankern. Auch die Interventionen des erst kürzlich beschlossenen Weinpakets sollen erhalten bleiben.
Beide Verbände fordern ein eigenständiges Budget für das Weinsektorenprogramm, die Beibehaltung der bisherigen EU-Finanzierungssätze und möglichst hohe EU-Anteile für sogenannte „grüne Maßnahmen“. Eine weitere Renationalisierung der GAP lehnen beide Verbände ab, denn unterschiedliche Förderbedingungen würden den fairen Wettbewerb im europäischen Binnenmarkt gefährden.
Klaus Schneider: „Die GAP muss die notwendigen Mittel und Instrumente bereitstellen, damit Umweltleistungen stärker honoriert werden und unsere Betriebe zugleich wirtschaftlich arbeiten können.“ Johannes Schmuckenschlager bekräftigte: „Die spezifische Unterstützung des Weinsektors ist unverzichtbar. Wir brauchen auch künftig einen verlässlichen europäischen Förderrahmen, der den besonderen Anforderungen des Weinbaus Rechnung trägt und gleichzeitig Innovation sowie Nachhaltigkeit ermöglicht“.
Pflanzenschutz und Flavescence dorée
Der Weinbau habe den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln bereits deutlich reduziert. Weitere Reduktionen können aus Sicht der Verbände jedoch nur mit wirksamen und praxistauglichen Alternativen gelingen. Sie fordern deshalb eine schnellere Verfügbarkeit geeigneter Pflanzenschutzmittel und weiterhin die Zulassung von Kaliumphosphonat im ökologischen Weinbau. Die Zulassungspolitik müsse die besonderen Bedingungen einer Dauerkultur stärker berücksichtigen.
Die Flavescence dorée (FD) ist inzwischen in beiden Ländern mittlerweile eine große Gefahr für den Weinbau. Die Verbände setzen auf intensives Monitoring, die Kontrolle des Rebpflanzguts sowie eine enge Zusammenarbeit von Praxis, Wissenschaft und Behörden. Der Österreichische Weinbauverband möchte deshalb eine nationale Task Force zur Bekämpfung der FD ins Leben rufen. In Deutschland ist für Dezember eine große Arbeitssitzung mit Berufsstand, Ministerien, Verwaltung und Wissenschaft sowie Vertretern aus Österreich und dem Elsass geplant. Offen ist bislang die Entschädigung für die durch die FD verursachten Schäden. Die Verbände erwarten hierzu klare Lösungen von Bund und Ländern.
Biodiversität und Bewirtschaftung zusammenbringen
Beim Nationalen Wiederherstellungsplan im Rahmen der EU-Naturwiederherstellungsverordnung fordern die Verbände eine praxisnahe Umsetzung gemeinsam mit den Bewirtschaftern. Biodiversitätsmaßnahmen sollten vor allem freiwillig, wirksam und angemessen honoriert erfolgen. Klaus Schneider erinnerte daran, dass „der Weinbau Teil unserer Kulturlandschaft ist und selbst einen wichtigen Beitrag zur Biodiversität leistet. Wir sind bereit, diesen Beitrag weiter auszubauen. Dafür braucht es aber Lösungen, die gemeinsam mit den Betrieben entwickelt werden und ihre wirtschaftliche Grundlage nicht gefährden“.
Gemeinsam für einen zukunftsfähigen Weinbau
Auch die internationale Wettbewerbsfähigkeit müsse im Blick behalten werden.
Gerhard Brauer sagte dazu: „Unsere Betriebe stehen nicht nur innerhalb Europas, sondern
auf den internationalen Märkten im Wettbewerb. Jede zusätzliche Belastung gefährdet
unsere Wettbewerbsfähigkeit“.
Die Weinbauverbände wollen angesichts der zahlreichen parallelen
Herausforderungen ihre enge Zusammenarbeit fortsetzen und sich auf nationaler und
europäischer Ebene gemeinsam für einen wettbewerbsfähigen, nachhaltigen und zukunftsfähigen
Weinbau einsetzen.