Archäologisches Material

600 Jahre alte DNA-Probe von Pinot Noir gefunden

Ein Artikel von Redaktion | 01.04.2026 - 14:25
OeWM_WSNA_pinot-noir_01_jpg.jpeg

Der heute bekannte Pinot Noir war bereits im Mittelalter als Sorte verbreitet. Zu diesem Schluss kam eine französische Untersuchung von historischen Traubenkernen. © ÖWM / WSNA

Die biologischen Grundlagen des frühen Weinbaus zählen zu den bislang nur wenig beforschten Gebieten der Wissenschaft. Das Wissen über den antiken Weinbau stützt sich größtenteils auf fragmentarische und oft einseitige historische Quellen, die zumeist aus städtischen Zentren und nicht aus landwirtschaftlichen Regionen stammen.

Für die Untersuchung an der Universität Toulouse wurden daher 49 Traubenkerne aus archäologischen Grabungen auf ihre DNA hin analysiert, um nähere Informationen darüber zu erhalten, welche Trauben historisch in Frankreich genutzt wurden und woher diese stammten. Das Hauptaugenmerk lag dabei auf Kernen aus der Bronzezeit bis zum Mittelalter, wodurch die genetische Evolution der Weinrebe über etwa 4.000 Jahre bis in die Gegenwart nachvollzogen werden konnte.

Die Wissenschaftler identifizierten das früheste Auftreten genetischer Merkmale, die typisch für domestizierte Weinreben sind, in der Eisenzeit (625–500 v. Chr.). Die Analysen bestätigten zwar genetische Verwandtschaften mit modernen westlichen Weinsorten, wiesen aber auch genetische Abstammungen nach, die mit Rebsorten aus der Levante und dem Kaukasus in Verbindung stehen. Die genetische Vielfalt der französischen Reben nahm in der Römerzeit deutlich zu.

Die Ergebnisse unterstreichen auch die Bedeutung der vegetativen Vermehrung als zentrales Element des Weinbaus: So konnten genetisch identische Klone in verschiedenen Regionen und Epochen identifiziert werden, wodurch die Existenz von weitreichenden Austauschnetzwerken belegt wurde, die mindestens seit der Eisenzeit bestehen.

Für besonderes Aufsehen sorgte die Analyse eines Traubenkerns aus einer mittelalterlichen Latrine im nordfranzösischen Valenciennes: Die DNA des Musters erwies sich als identisch mit dem heute bekannten Pinot Noir, wodurch ein direkter Beweis für die sortenechte Vermehrung von Rebmaterial durch Klone seit mindestens 1.400–1.500 n. Chr. erbracht werden konnte.