Digitale Sommeliers?

Zunehmende Bedeutung von KI bei Weinempfehlungen

Ein Artikel von Irene Rittler | 02.10.2026 - 13:51
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© Pixabay / Andre Grunden

Apps wie der jüngst erschienene „Henri“ von wine-pairing.online wollen unkomplizierte Antworten auf praktische Fragen von Weinkonsumenten bieten. So empfiehlt die Anwendung etwa Weinbegleitungen basierend auf Gerichten, die eingetippt oder fotografiert werden, und gibt dann Auskunft in einfachen Worten. Etwa: „Die cremige Sauce liebt die Frische eines aromatischen Weißweins.“ Im Hintergrund arbeitet der Algorithmus mit Variablen wie Fettgehalt, Umami und Kochmethode bei den Gerichten sowie Säuregehalt, Körper oder Aroma bei den Weinen. Auch die digitale Kellerverwaltung ist möglich. Gastronomen und Weinhändler sollen die App auch durch das Hochladen der Weinkarte verwenden können – die Anwendung gibt Gästen dann durch das Scannen eines QR-Codes Weinempfehlungen aus der eigenen Karte. „Die Antwort kommt sofort, charmant begründet und in der Sprache des Gastes“, so die App-Entwickler. „So bestellen unsichere Gäste mutiger, und der Weinumsatz steigt.“

Einem Bericht in der französischen Zeitung „Le Figaro“ zufolge haben bereits 41 % der befragten 26–35-jährigen Franzosen KI-Anwendungen für Weinempfehlungen verwendet. Etwa im Supermarkt oder Restaurant durch Fotografieren des Angebots. Bei der Altersgruppe darunter sei die Zahl laut einer zitierten Umfrage noch höher. Sommelier und Restaurantleiter Matthias Alberghi bestätigte im Gespräch mit Le Figaro entsprechende Umfrageergebnisse durch persönlich gemachte Erfahrungen mit Gästen. Die Qualität der Antworten von KIs wie ChatGPT würde jedoch vor allem von den Informationen abhängen, die ihnen zur Verfügung stehen. Generelle Aussagen seien eine Sache, bei komplexen Anfragen stoße die KI jedoch schnell an Grenzen. Das wurde auch im gemeinsamen Praxistest der Journalistin Jean-Dorize und Alberghi deutlich. Nach fachlich wenig zufriedenstellenden Empfehlungen zeigte die Prüfung der von ChatGPT verwendeten Quellen auf, dass die Anwendung einfach extrapolierte, nachdem sie keine Verkostungskommentare zum letzten Jahrgang finden konnte. Sie gab also eine Schätzung auf der Basis anderer bekannter Daten ab.