Seit rund zehn Jahren leistet die Perspektive Landwirtschaftet Bewusstseinsbildung für Auswirkungen und Maßnahmen gegen das Höfesterben – für eine vielfältige Landwirtschaft! Außerfamiliäre Hofnachfolge und Kooperationen sind eine Chance, um Lebenswerke zu erhalten, sowie generationenübergreifend Wissen und Arbeit zu teilen.
Die Gründe für das „Bauernsterben“ sind vielfältig: Oft fehlt die wirtschaftliche Perspektive gekoppelt mit immensem Arbeitsdruck in den Spitzenzeiten sowie die generelle Suche nach verlässlicher Unterstützung bei Krankheit oder im Alter. Am häufigsten wird die fehlende Nachfolge in der Familie genannt. Oft steht dabei ein über Jahrzehnte aufgebautes Lebenswerk auf dem Spiel. Oft aber besteht der Wunsch, am Hof weiterhin zu wohnen und den Lebensabend in Gesellschaft der nächsten Generation zu verbringen. Auf einer individuellen Ebene kann fehlende Hofnachfolge körperliche und psychische Überlastung sowie Einsamkeit begünstigen. Aber auch Umwelt und Gesellschaft sind vom Agrarstrukturwandel betroffen: Mit einem Bauernhof gehen nicht nur altes Wissen um Anbau, Standort und Verarbeitung verloren, sondern auch Artenvielfalt, Kulturlandschaft, Klima- und Bodenschutz sowie eine nachhaltige und krisensichere Lebensmittelversorgung.
Die gute Nachricht für viele Lebenswerke: Die nächste Generation steht bereit – nur oft eben nicht in der eigenen Familie. Viele „weichende Erben“, die mit dem Weinbau aufgewachsen sind, suchen nach einem neuen Hof. Dazu kommen hervorragend qualifizierte Fachleute und Absolventen, die nicht auf einem Bauernhof aufgewachsen sind, aber das nötige Zeug für eine erfolgreiche Betriebsführung mitbringen. Das größte Hindernis ist der fehlende Zugang zu Land. Denn die Preise für Grund und Boden sind in den letzten Jahren massiv gestiegen, während landwirtschaftliche Einkommen stagnieren. Die entscheidende Frage lautet daher: Wie bauen wir eine Brücke zwischen abgebenden Winzern und diesen überaus fähigen Händen?
Genau hier bietet der Verein Perspektive Landwirtschaft Werkzeuge an, um Höfe und damit eine vielfältige Landwirtschaft zu erhalten. Veranstaltungen in ganz Österreich und eine digitale Plattform bieten Räume der Begegnung für Information und Austausch zum Thema außerfamiliäre Hofnachfolge. Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit werden durch den Fonds ländliche Entwicklung über das Landwirtschaftsministerium gefördert. Der Verein betreut die regional verankerte Plattform von und für Menschen, die der Landwirtschaft eine Perspektive geben. Um die 1.000 Mitglieder unterstützen mit ihrem jährlichen Beitrag den Erhalt einer vielfältigen Landwirtschaft. Für Mitglieder gibt es vergünstigte Veranstaltungen. Derzeit sind unter den 430 Hofsuchenden 72 Mitglieder auf der Plattform, welche sich im Speziellen für die Übernahme eines Weinbaubetriebes interessieren.
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Der gebürtige Kärntner Michael Lutschounig bei der Ernte – der Quereinsteiger bewirtschaftet seit 2019 ein Weingut in der Nähe von Wien © Michael Lutschounig
Der junge Winzer Michael Lutschounig bewirtschaftet seit 2019 ein Weingut nahe Wien. Der gebürtige Kärntner hat es als Quereinsteiger mit viel Ausdauer und Leidenschaft geschafft, einen landwirtschaftlichen Betrieb zu gründen. Gesucht hat er auch über das Netzwerk von Perspektive Landwirtschaft, schließlich fand er über viele Umwege zu seinem Traumberuf.
Waltraud R. sucht eine Betriebsnachfolge für das Weingut in Nähe der Bundeshauptstadt © Perspektive Landwirtschaft
Keine Quereinsteigerin ist dagegen Waltraud R. aus Linz, sie ist auf einem Bauernhof aufgewachsen, dann schlug sie beruflich andere Wege ein. Schließlich hat sie dann doch in einen Betrieb eingeheiratet und diesen viele Jahre hauptverantwortlich bewirtschaftet. Nach einer langen Zeit harter Arbeit rückt das Pensionsalter näher und das Weingut in Stadtnähe soll von einer verlässlichen Nachfolge mit Freude weitergeführt werden. Bei der Suche unterstützt auch der Verein Perspektive Landwirtschaft. Sollte es gelingen, die Richtigen zu finden, wird einer der wenigen verbliebenen Höfe im Speckgürtel vor Verbauung geschützt, Weinberge erhalten und regionale Versorgung gefördert.
Kontakt
Wenn Sie sich über Möglichkeiten der Nachfolge oder Übernahme informieren möchten, oder Sie sich mit uns für eine vielfältige Landwirtschaft einsetzen möchten, melden Sie sich gerne beim Team von Perspektive Landwirtschaft. Per Mail: info@perspektive-landwirtschaft.at oder unter der Tel.-Nr. 0660/113 32 11.