Die vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK) in Kooperation mit dem Klima- und Energiefonds verliehenen Staatspreise waren heuer mit besonderem Fokus auf Projekte in Gemeinden und Unternehmen ausgeschrieben. Gemeinden sind für viele Bereiche zuständig, die von den Folgen des Klimawandels betroffen sind, darunter die örtliche Raumplanung, die Wasserver- und -entsorgung sowie der Katastrophenschutz.
Dazu konnten Projekte in den Kategorien Hochwasser/Starkregen sowie Hitze/Trockenheit eingereicht werden. Neben einer weiteren Kategorie für innovative Forschungsprojekte konnten auch Unternehmen eigene Projekte einbringen. Die Gewinner der Preise wurden in einer Kombination aus Online-Voting und Entscheidung durch eine Fachjury ermittelt. Die Erstplatzierten erhielten Geldpreise in der Höhe von je 5.000 Euro.
WIWA Retzer Land
In Obernalb (Gemeinde Retz) wurden Kaskaden gesetzt, damit Niederschlagswasser, das bisher über einen asphaltierten Weg abgeflossen ist, länger zurückgehalten wird und besser versickern kann © Klimamodellregion Retzer Land
Das Projekt „WIWA Retzer Land“ der Klimamodellregion Retzer Land gewann den ersten Platz der CliA-Preise in der Kategorie Hitze/Trockenheit. Der Projekt-Cluster verfolgt das Ziel der Verbesserung des Windschutzes und des Wasserhaushalts in einer der trockensten Regionen Österreichs (470 mm/ Jahr), wobei das Hauptaugenmerk auf kleinräumigen Maßnahmen mittels natürlicher Landschaftselemente liegt, die dabei helfen, Wasser in der Region zu halten, anstatt es abzuleiten, die Versickerung auf landwirtschaftlichen Flächen zu erhöhen, Erosion zu reduzieren und das Mikroklima durch die Förderung eines kleinstrukturierten Landschaftsbildes zu verbessern.
Dazu wurden von der ortsansässigen Bevölkerung mehr als 200 Ideen eingebracht, die in Kooperation mit der Agrarbezirksbehörde auf ihre Umsetzbarkeit und Sinnhaftigkeit geprüft wurden.
Zu den bereits umgesetzten Projekten zählen beispielsweise Revitalisierungen bestehender Rückhaltebecken oder die gezielte Umleitung von Hangwasser. In der laufenden Runde wurden bereits zehn weitere Projekte ausgewählt, die nun umgesetzt werden. Die Finanzierung läuft über die KLAR!-Invest-Förderung (Klimawandel-Anpassungsmodellregion).
Wasser in der Region halten, anstatt es abzuleiten: Viele Projekte der Klimamodellregion Retzer Land zielen auf die Verbesserung des Wasserhaushalts ab, was der Landwirtschaft direkt zugutekommt. Links das Rückhaltebecken in den Waitzendorfer Weinbergen (Gemeinde Schrattenthal) vor der Instandsetzung, rechts mit wiederhergestellter Funktionalität. © Klimamodellregion Retzer Land, BAW
LFS-Hollabrunn-Lehrer Florian Hanousek mit Winzern der Projektinitiative zur Klimawandelanpassung im Weinbau beim Lokalaugenschein in einem Weingarten. © F. Hanousek
In Kooperation mit der Landwirtschaftlichen Fachschule Hollabrunn und dem dortigen Weinbaulehrer Florian Hanousek gibt es ein eigenes Projekt für den Weinbau, an dem sich rund zwanzig örtliche Winzer beteiligen („Klimawandelanpassung im Weinbau“). Dazu wurden in einem Workshop die Herausforderungen besprochen und Ideen gesammelt, wie diesen in Zukunft begegnet werden kann.
Adaptierte Strategien im Laubwandmanagement wurden bereits auf Versuchsflächen der LFS Hollabrunn und teils von den Winzern selbst umgesetzt. Die Ergebnisse sollen bald gemeinsam besichtigt werden, um weitere Schritte ableiten zu können. Weitere gesammelte Themen sind die Möglichkeiten zum Bodenschutz, die Biodiversitätsförderung sowie die Erhöhung des Wasserrückhalts im Weingarten.
An einem eigenen Themenabend („Weinbau im Umbruch – Überblick & Ausblick“) luden die LFS Hollabrunn und die Klimamodellregion Retzer Land zudem zum fachlichen Austausch mit Florian Hanousek, Michaela Griesser (BOKU Wien) sowie Wilhelm Graiss (HBLFA Raumberg-Gumpenstein). Letzterer stellte das Projekt „Life VineAdapt“ vor, in welchem Strategien zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit von Weingartenökosystemen mittels ausdauernder Begrünungen entwickelt wurden. „Die wichtigsten Hebel für eine erfolgreiche Anpassung sind ganz klar: Humusaufbau und Wasserrückhalt“, so das Resümee der Veranstalter. Für die nächsten Jahre ist ein weiteres Kooperationsprojekt zum Thema Gassenbegrünung geplant.
„Im Rahmen unseres WIWA-Projektbündels setzen die Retzer-Land-Gemeinden bereits fünfzehn lokale Wasserrückhaltemaßnahmen um, in welchen Niederschlagswasser gespeichert, verdunstet und versickert wird. Davon profitiert die ganze Region, insbesondere die Landwirte“, so WIWA-Projektleiter Gregor Danzinger. Bisher wurden die Rückhaltemaßnahmen nur auf öffentlichen Flächen umgesetzt. Zukünftig sei die Region auch auf die Bereitschaft von privaten Grundstücksbesitzern angewiesen, um hier eine großflächige Verbesserung zu erwirken.
Agri-Photovoltaik in Haidegg
Die steirische Versuchsstation für Obst- und Weinbau Haidegg erhielt den ersten Platz in der Kategorie „Forschung / Innovative Tools und Methoden“ für die Agri-Photovoltaikprojekte für klimaresiliente Obstkulturen und erneuerbare Energieproduktion. Das Leuchtturmprojekt der Versuchsstation wurde 2022 mit einer überdachten Fläche von 2.775 m² über verschiedenen Obstkulturen wie Apfel, Kirsche und Pfirsich errichtet und im Vorjahr nochmals ausgebaut.
In den Versuchsquartieren wurde das Potenzial zur Doppelnutzung landwirtschaftlicher Spezialkulturen getestet und untersucht, wie sich die Überdachung mit PV-Paneelen und die damit einhergehenden Veränderungen in Licht und Mikroklima auf Pflanzenwachstum, Pflanzengesundheit, Schädlingsbefall, Ertrag sowie Fruchtqualität auswirken. Zur Anwendung kamen dabei speziell angefertigte Paneele, die etwa 50 % des einfallenden Lichts durchlassen und zu Versuchszwecken entsprechend angepasst werden können. Die bisher veröffentlichten Untersuchungen zeigten zum Teil sehr vielversprechende Ergebnisse, unter anderem durch eine verlängerte Vegetationsperiode, einen schützenden Effekt bei Spätfrösten sowie einen reduzierten Infektionsdruck mit Pilzkrankheiten durch verringerte Blattnässe.