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Die Vortragenden der 2. KMW-Tagung von links: Andreas Harm, Helmut Hofstätter, Martin Mehofer, Wolfram Weckwerth, Harald Scheiblhofer, Karin Mandl, Rudolf Schmid, Christian Redl, Christian Gersthofer, Brigitte Riener, Ferdinand Regner und Daniel Hugl. © Simone Schneider / HBLA u. BA Klosterneuburg

2. KMW-Tagung in Klosterneuburg

Perspektiven und Forschungsprojekte

Ein Artikel von Irene Rittler | 19.03.2026 - 11:07

Zur Eröffnung der 2. KMW-Tagung in Klosterneuburg plädierte Direktor Reinhard Eder angesichts der Herausforderungen in der heutigen Zeit für Optimismus. Die Stärke eines Landes wie Österreichs liege in der Bildung und Forschung und damit in den Köpfen seiner Einwohner. Auch in Zukunft werde es Menschen brauchen, die Wein und Lebensmittel herstellen, und das Zusammentreffen in geselliger Runde bei einem Glas Wein sei auch weiterhin etwas, das von Künstlicher Intelligenz nicht ersetzt werden könne.

Details zum neuen Weingesetz

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Rudolf Schmid und Brigitte Riener aus dem Landwirtschaftsministerium stellten geplante Änderungen und neue Begrifflichkeiten des für 2027 geplanten neuen Weingesetzes vor. © Simone Schneider / HBLA u. BA Klosterneuburg

Den Auftakt zur Tagung machten Rudolf Schmid und Brigitte Riener aus dem Landwirtschaftsministerium mit Ausführungen zum geplanten neuen Weingesetz. Da das aktuelle Weingesetz aus dem Jahr 2009 nicht mehr EU-gesetzeskonform ist und in rechtlichen Streitfällen jedenfalls EU-Recht zur Anwendung kommt, sollen nach einer intensiven Neugestaltungsphase nun bis Sommer alle neuen Gesetzestexte stehen und danach in Begutachtung gehen. Ab 2027 soll das neue Gesetz mit entsprechenden Übergangsbestimmungen in Kraft treten.

Mit dem neuen Gesetz wird den Erzeugern selbst viel Macht in die Hand gegeben um etwa Weintypizität und regionale Spezialitäten entsprechend zu definieren (und zu schützen), jedoch erfordert die Änderung auch einiges an Koordination in den Regionen.

Zukünftig ersetzen sogenannte Erzeugervereinigungen die regionalen Weinkomitees. Sie können in Vereinsform gegründet werden und müssen demokratisch organisiert sein (wahlweise über Kopfstimmrecht oder auch gestaffelt). Die „geographischen Angaben“ werden von den Erzeugervereinigungen definiert und festgelegt und umfassen den „geschützten Ursprung“ (g. U. mit 100 % der Produktionsschritte aus dem betreffenden Gebiet) sowie die „geschützte geographische Angabe (g. g. A. mit mindestens 85 % der Produktionsschritte im Gebiet). Aktuell gibt es im österreichischen Weinbau mit 18 DAC-Gebieten sowie den neun Bundesländern bereits 27 g. U.s. Die bestehenden drei g. g. A.s sind Bergland, Steirerland und Weinland. Zum Vergleich: In Frankreich gibt es beim Wein aktuell mehr als 3.000 g. U.s und über 1.000 g. g. A.s.

Mehr dazu auch im aktuellen Beitrag „Erzeugervereinigungen im österreichischen Weinbau“ von Stefan Kast.

Themenschwerpunkt Pflanzenschutz

Weinbauberater Daniel Hugl von der Landwirtschaftskammer Mistelbach berichtete vom aktuell vermehrten Auftreten der Amerikanischen Rebzikade in Niederösterreich, speziell im Raum um Poysdorf. Die von der Zikade übertragene Quarantänekrankheit Flavescence dorée konnte bislang noch nicht in den Gebieten nachgewiesen werden, jedoch stünden mögliche vorbeugende Maßnahmen im Raum (Insektizideinsatz).

Christian Redl von der HBLA u. BA Klosterneuburg stellte das RTD-Forschungsprojekt Vinepredict vor, das gemeinsam mit der Donau-Universität Krems und der BOKU an standortspezifischen KI-gestützten Prognosemodellen für Oidium und Peronospora arbeitet. Aktuelle Modelle verwenden Wetterdaten von Stationen, welche ein größeres Gebiet abbilden – in der Praxis ist der Krankheitsdruck jedoch in verschiedenen Lagen unterschiedlich groß. Durch standortspezifische Prognosen verspricht man sich punktuelleren Pflanzenschutz und damit Einsparungen in den Anwendungen. Für das Projekt wurden an 15 Standorten in Niederösterreich Wetterstationen sowie Blattfeuchtesensoren in der Laubwand installiert. Neben Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Niederschlagsmenge werden auch standortspezifische Daten wie der Reihenabstand erfasst. Ebenfalls wurden entsprechende Kontrollflächen etabliert. Der reelle Krankheitsdruck wurde mittels Sporenfallen ermittelt. Erste Modellierungsansätze, für welche an der Donau-Universität eine entsprechende KI entwickelt wird, zeigten gute Ergebnisse. Vinepredict greift auf bereits vorhandene Daten eines Vorgängerprojekts zurück und erhebt neue Versuchsdaten zum Training der KI noch bis Ende 2027. Da nur wenige Weingüter über entsprechende Wetterstationen in ihren Rieden verfügen, sind in Zukunft gemeinschaftlich genutzte Stationen denkbar, deren Daten gemeinschaftlich genutzt werden, um zielgerichteteren Pflanzenschutz betreiben zu können.

Andreas Harm von Klosterneuburg RTD sprach über erste Forschungsergebnisse des Projekts „Vinny“, welches bereits in der WINZER-Ausgabe 1/2026 näher vorgestellt wurde. Die Forschungskooperation mit Partnern in zehn europäischen Ländern soll neue bioaktive Wirkstoffe identifizieren welche aus Pflanzenmaterial wie Rebholz, Trauben oder Rappen gewonnen werden, sowie Methoden zur Nanoverkapselung der Wirkstoffe entwickeln, um deren Stabilität zu verbessern. Von 350 unter Laborbedingungen auf ihre Wirkung gegen Oidium und Peronospora hin getesteten Isolaten aus Rebholz, Pilzextrakten und Bakterien konnten zehn wirksame Substanzen ausgemacht werden. Einige der Präparate zeigten Wirksamkeiten zwischen 30–70 %, was für eine Anwendung in der Praxis jedenfalls zu niedrig ist.

Wolfram Weckwerth, Grundlagenforscher für molekulare Pflanzenbiologie von der Universität Wien, stellte das interregionale EU-Forschungsprojekt WinOMICs vor, das von der HBLA und BA Klosterneuburg im Bereich der Mikrobiologie unterstützt wird. Das Projekt soll einen Beitrag für eine nachhaltige Bewirtschaftung im Sinne des Präzisionsweinbau bringen und verbindet pan- und metabolomische sowie mikrobiologische/genomische Analysen mit multispektraler Drohnenüberwachung, sensorspezifischen Daten und KI-basierten Frühwarnsystemen. Dadurch sollen kritische Pflanzengesundheitsparameter wie Wasserstress und physiologische Veränderungen frühzeitig erkannt werden. Die von den Drohnen erfassten Daten (Wärmebilder, Chlorophyll, Stressindikatoren) werden mit den Ergebnissen von Panomics-Analysen kombiniert, also biologischen Daten zu Genomik und Stoffwechselprodukten (Metabolomik).

Nachhaltig-Austria-Koordinatorin Claudia Muschau referierte zum Thema der Nachhaltigkeit im Pflanzenschutz und brachte aktuelle Zahlen von Nachhaltig-Austria-Betrieben. Aktuell werden rund 80 % der NA-zertifizierten Flächen ohne den Einsatz von Insektiziden und etwa 84 % herbizidfrei bewirtschaftet.

Ferdinand Regner stellte die Ergebnisse eines Schülerprojekts zu Nanodünger vor, welches die Effekte von Kupfer auf systemische Infektionen von Reben prüfen sollte. Dazu wurden 50 ml/ha des Produkts AgroCyprum, welches 3 % Kupfernanopartikel enthält, sowie Cu-Oxide und 150 ml/ha des Produkts AgroArgentum Bor (2 % Bor, 1 % Silbernanopartikel) in viermaliger Wiederholung in einer Weingartenanlage in Langenzersdorf ausgebracht und anschließend die gesundheitliche Verfassung der Pflanzen und die Beschaffenheit der Weine geprüft. Obwohl die Blätter der nichtbehandelten Kontrollgruppe helleres Grün aufwiesen als die Versuchspflanzen, konnten keine signifikanten Unterschiede festgestellt werden.

Entwickler Helmut Hofstätter stellte das Spätfrostschutz-System Helios vor, das auf der vergangenen Austro Vin den Innovationspreis der Kategorie Weinbau erhielt. Das Heizdrahtsystem mit Folienabdeckung funktioniert auch bei windigen Verhältnissen und ist bei Kosten von rund 10 Euro pro Laufmeter bzw. 30–40.000 Euro pro Hektar vor allem für spätfrostgefährdete Premiumlagen interessant.

Regenerative Landwirtschaft

Klosterneuburg-Absolvent Dominik Schreiber von der Poysdorfer Obstbaumschule Schreiber gab Denkanstöße zur regenerativen Landwirtschaft, die sich besonders mit Bodengesundheit und Humusaufbau beschäftigt. Er verwies auf die enorme Wasser-, Stickstoff- und Co2-Speicherungsfähigkeit humoser Böden und betonte die Wichtigkeit der Bodendurchwurzelung, um Humus aufzubauen.

Die Begrünung spiele dabei eine essenzielle Rolle: Am eigenen Betrieb werde mit vielfältigen Mischungen gearbeitet und eine möglichst dauerhafte Begrünung der Anlagen angestrebt, um ein vielfältiges Bodenmikrobiom zu erhalten. In den Boden wird am Betrieb so wenig bzw. schonend wie möglich eingegriffen, da durch solche Eingriffe Humus und Stickstoff abgebaut werde. Ein gesunder Boden bestehe aus 50 % Luft, und der Bodenstruktur komme eine entscheidende Rolle zu. Das Umbrechen von Begrünungen erfolge im eigenen Betrieb so flach wie möglich, um die Bodenstruktur bestmöglich zu erhalten – nicht zuletzt, weil die Wurzelgänge eine wichtige Rolle als Kanäle für das Abfließen von Niederschlagswasser spielen. Zum Thema der Wasserkonkurrenz kommentierte er: „wer nicht begrünt, um Wasser zu sparen könnte genauso gut die Uhr anhalten, um Zeit zu sparen.“

Weinbauliche und önologische Themen

Martin Mehofer stellte die Ergebnisse eines mehrjährigen Versuchs zum Einsatz von Tropf- und Unterflurbewässerung im Weinbau vor. Da das Vorkommen von Dürreperioden zunimmt, kämen die Niederschläge oftmals nicht mehr auf die rund 500 Liter Wasser pro Quadratmeter im Jahr, die es für einen begrünten Weingarten idealerweise brauche, um ideale Erträge und Qualitäten zu gewährleisten.

Tagungsleiterin Karin Mandl berichtete von Versuchen zur Leistungsfähigkeit verschiedener Gärstockungshefen. Um die Hefestämme einem angemessenen Stresstest zu unterziehen, wurde ein fertiger Grundwein mit Glukose und Fruktose angereichert und die Fähigkeiten verschiedener Hefen geprüft, mit den schwierigen Bedingungen des hohen Alkoholgehalts, niedriger Stickstoffverfügbarkeit sowie niedrigen Glukosewerten bei hoher Fruktoseverfügbarkeit zu vergären. Zu den getesteten Hefen zählten neben der stark fruktophilen Starmerella lactis condensi (KUK) die Hefe Oenoferm Klosterneuburg, Oenoferm PinoType sowie die Gärstockungshefe Uvaferm 43 restart. Von den getesteten Hefen zeigte die Restart-Hefe die deutlich besten Ergebnisse und für KUK-Hefe konnte dementsprechend keine Empfehlung zur Verwendung aus Gärstockungshefe ausgesprochen werden.

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Bei der kommentierten Verkostung zum Abschluss der Tagung standen einige interessante entalkoholisierte und alkoholreduzierte Weine am Programm. © Irene Rittler

Christian Gerstdorfer vom Landesweingut Retz brachte einige Versuchsweine mit, die von den Tagungsteilnehmern zwischen den Vortragsblöcken verkostet werden konnten. Die Vergleichsweine stammten aus Versuchen aus Hefevergleichen, Bewässerungsvarianten, unterschiedlich dichten Pflanzabständen im Weingarten und Gründüngungsversuchen.

Harald Scheiblhofer referierte zu verschiedenen Ansätzen zum Alkoholmanagement – aktuell gäbe es in Klosterneuburg mitunter Versuche zum Einsatz von Hefen, welche mehr Nebenprodukte wie Glyzerin und Säuren produzieren, deren Einsatz einen niedrigeren Alkoholgehalt im fertigen Wein ergeben könnte. Zum Thema Entalkoholisierung verwies er darauf, das bislang unklar sei, wie hoch die Nachfrage nach solchen Produkten am österreichischen Markt wirklich sei. Die mit Abstand höchste Nachfrage sei bei alkoholfreien Schaumweinen zu beobachten.

Den Abschluss der Tagung bildete eine kommentierte Verkostung verschiedener entalkoholisierter Weine und auch alternativer Produkte, anhand derer Scheiblhofer die önologischen Möglichkeiten sowie die Wichtigkeit der Ausbalancierung von (fehlendem) Alkoholgehalt mit Restzucker und Säuregehalt demonstrierte.

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© Simone Schneider / HBLA u. BA Klosterneuburg