- Über das Pflanzrechtsregime, das ein jährliches Auspflanzrecht von 1% der Rebfläche des jeweiligen Landes vorsieht, berichtete Dr. Rudolf Schmid, BMLFUW. Eine Auspflanzung sei nur nach Antrag und darauffolgender Genehmigung möglich. Anträge zur Neuauspflanzung müssen vom 15. Jänner bis 15. Februar eingebracht werden, um eine Auspflanzung im selben Jahr zu ermöglichen. Die Auspflanzung muss innerhalb von drei Jahren ab Erteilung der Genehmigung erfolgen. Pflanzrechte aus der alten Reserve können so lange umgewandelt werden, solange das alte Pflanzrecht gegolten hätte, erklärte der Experte aus dem Landwirtschaftsministerium.
- Gabriele Burian, Presse-Verantwortliche bei der ÖWM, stellte die Frage in den Raum, wie groß/klein ein Weinbaubetrieb sein muss, um überlebensfähig zu sein. Die Eckpunkte Qualität, Identität, Namensfindung, Energie und Leidenschaft seien mitentscheidend, ob sich ein Betrieb behaupten kann.
- Mit einem interessanten Referat über die Entwicklung der Weinmärkte und Absatzwege schaffte es DI Otto Schätzel, DLR Oppenheim, das Publikum nach der Mittagspause wieder zurück zum Weinmarkt zu holen. Schätzel rief dazu auf, am Boden zu bleiben, auch wenn in Österreich die Euphorie aufgrund der relativ hohen Preise für Trauben und Wein noch ungebrochen sei. Deutschland habe die Ausweitung der Rebfläche auf 0,3% (Ö: 1%) kontingentiert, um ein übermäßiges Ausweiten zu verhindern, wobei die Nachfrage ohnehin geringer als in Österreich sei. In Deutschland sind die Fassweinpreise bereits um 30% gesunken, da der Export stark eingebrochen ist. Weltweit werde jährlich ein Überschuss von 28 Mio. hl produziert. Die EU sei weiterhin weltweit der größte Weinerzeuger, wobei der Konsum v. a. in Spanien und Italien tendenziell rückläufig ist. Der Export nach China sei in den vergangenen Jahren zurückgegangen, da das Land auf Selbstversorgung setzt. „China hat bereits die zweitgrößte Weingartenfläche hinter Spanien“, betonte Schätzel.
- Um sich in Zukunft auf dem Weinmarkt mit wachsendem Wettbewerbsdruck bei steigenden Produktionskosten behaupten zu können, ist für ihn die Fokussierung auf die Qualität wichtig. Wein werde immer öfter außer Haus konsumiert, wobei der Einfluss von Sommeliers und des guten Fachhandels zunimmt. Bei der Preiskalkulation ist eine nachvollziehbare und systematische Logik unumgänglich. Besonders wenn der Verkauf über den Handel erfolgt, sollten die Preisspannen genau kalkuliert werden. Jede Preissteigerung muss dem Konsumenten durch einen Mehrwert nähergebracht werden, ansonsten wird der Kunde den Anstieg nicht akzeptieren“, so Schätzel.
- Dr. Ferdinand Regner, HBLA Klosterneuburg, berichtete über Erfahrungen mit den neuen Piwi-Sorten Donauriesling, Donauveltliner und Pinot nova. Beim Donauriesling, der seit 2012 für die Kelterung von Rebsortenwein mit Sortenbezeichnung zugelassen ist, wäre die Registrierung als Qualitätsweinsorte der nächste Schritt, um die Vermarktung zu vereinfachen - die Prüfungen laufen. Während der Donauriesling bei Verkostungen kaum vom Rheinriesling zu unterscheiden war, entspricht der Donauveltliner nicht dem typischen pfeffrigen Veltliner, sondern eher einem kraftvollen Grünen Veltliner „gehobener Qualität“.
- Einen Blick in die Zukunft des Weinbaus wagte Dr. Manfred Stoll, FA Geisenheim, der auf die Entwicklung, dass der Winzer nicht mehr „jeden Rebstock persönlich kennt“, einging. Die Kontrolle des Weingartens könne in Zukunft mit technischen Hilfsmitteln, z. B. Drohnen oder am Traktor montierten Sensoren, erfolgen. Damit können die Versorgung mit Wasser, die Wüchsigkeit, die Traubenqualität, die N-Versorgung und vieles mehr kartiert werden. Im Hinblick auf die sich ändernden Klimabedingungen werde der Zeitpunkt der gesetzten Maßnahmen (Bewässerung, Pflanzenschutz) an Bedeutung gewinnen. Die Genauigkeit der Messmethoden müsse noch verbessert und die Anwenderfreundlichkeit erhöht werden, damit sich diese in der Praxis durchsetzen.
- Zum Abschluss des Weinbautags griff DI Robert Steidl, HBLA Klosterneuburg, kellertechnische Themen auf: von der Wiederzulassung des Silberchlorids zur Böckserbekämpfung, schleichend auftretendem Korkgeschmack (verursacht oft mehr Probleme als der dominante) bis hin zu den unterschiedlichen Möglichkeiten, die Spontangärung anzuwenden. Bei der Verarbeitung von aromatisierten Getränken (z.B. Hugo) sollte bedacht werden, dass sich die Aromastoffe (z.B. Gamma-Lactone) in Kunststoffdichtungen von Ventilen und Tanks einlagern können und bei der üblichen Reinigung nicht restlos entfernt und somit bei nachfolgender Befüllung wieder abgegeben werden können.