Der Weintourismus hat sich zu einem bedeutenden Motor für die ländliche Entwicklung, den Erhalt des kulturellen Erbes, Innovationen und nachhaltigen Tourismus in ganz Europa entwickelt. Nun sucht UN... Mehr lesen ...
Eine Verpflegungsstation der etwas anderen Art: Grand Vin de Lafite Rothschild wurde in marathonfreundlichen Portionen ausgeschenkt. © H. Scheiblhofer
Die Einstimmung begann am Freitag mit der Pasta-Party im Château Beychevelle. Pasta füllt bekanntlich die Kohlenhydratspeicher; im Médoc wird vorsichtshalber auch geprüft, ob noch Wein ins Glas passt. Am Samstag, den 5. September, startete dann in Pauillac die 40. Ausgabe des „Marathon des Châteaux du Médoc“. Unter dem Motto „Les Années 80“ (die 80er-Jahre) verwandelten rund 8.500 Teilnehmer die Strecke in ein neonfarbenes Feld aus Stirnbändern, Trainingsanzügen und erstaunlich laufuntauglichen Kostümen.
Theoretisch ist jeder Marathon 42,195 Kilometer lang. Beim Médoc-Marathon hängt die gefühlte Distanz allerdings davon ab, welche Linie man am Ende noch läuft. Für Harald Scheiblhofer, Leiter der Abteilung Kellerwirtschaft, und den pensionierten Forschungsleiter Franz G. Rosner von der HBLA und BA Klosterneuburg wurde er jedenfalls zum längsten Marathon der Welt – Schlangenlinien inklusive.
Austern statt Energiegels: Auf der Gourmetmeile wurde aus dem Marathon endgültig ein Menü über 42,195 Kilometer. © H. Scheiblhofer
Der Kurs führte durch die Weinberge und an 15 renommierten Châteaus vorbei, darunter Château Mouton Rothschild und Château Lafite Rothschild. 22 Verpflegungspunkte plus rund 20 „önosportliche“ Weinverkostungen und etwa 50 Bands sorgten dafür, dass so gut wie niemand ausschließlich wegen der Bestzeit gekommen war. Wasser gab es natürlich ebenfalls – es war nur nicht überall die auffälligste Spezialität. Die wichtigste inoffizielle Regel lautete daher: nicht unter sechs Stunden, damit genug Zeit für Wein, Musik und Châteaux bleibt. Aber auch nicht wesentlich über 6:30 Stunden, denn hinter dem Besenwagen gibt es weder eine offizielle Wertung noch eine Belohnung. Die eigentliche Königsdisziplin lag zwischen Genuss und Zeitlimit.
Zum Finale wartete die Gourmetmeile mit Austern, Entrecôte, Käse, Eis und Canelés. Andere Marathonläufe bieten Energiegels, das Médoc serviert eine Menüfolge. Im Ziel gab es neben der Medaille eine Flasche Rotwein und Riedel-Gläser aus Österreich – die Regeneration war damit fachgerecht vorbereitet. Am Sonntag folgte zum Ausklang noch die ca. 10 km lange Weingartenwanderung mit zahlreichen französischen Spezialitäten und natürlich viel Wein. Die Beine hätten vielleicht lieber pausiert, wurden aber demokratisch überstimmt.
Blaufränkischland-Marathon
Die nächste Gelegenheit, sportliche Ambitionen mit feinster Kulinarik zu verbinden, gibt es am 3. Oktober im Mittelburgenland. Dort geht der Blaufränkischland-Marathon bereits in seine fünfte Auflage – und bleibt seinem Motto „Genuss und Spaß auf ganzer Strecke“ treu. Entlang der Route warten bis zu 13 Genussstationen bei Weingütern mit Weinproben und Schmankerln. Zudem sind originelle Kostüme erwünscht und werden prämiert.