W+P: Herr Schindler, ganz im Ernst, wer braucht in Zeiten der Digitalisierung noch eine Weinmesse?
Frank Schindler: „Das ist eine berechtigte Frage, denn tatsächlich werden sehr viele Geschäftsvorgänge heute mittels Video-Konferenz abgehandelt. Aber das funktioniert nur, wenn bereits eine Beziehung besteht. Für die Anbahnung und Entdeckung sind jedenfalls weiterhin analoge Momente essentiell.
Es geht ja nicht nur darum, die Weine zu beurteilen, sondern in unserer Branche sind die Chemie zwischen den Geschäftspartnern und das Vertrauen immer noch sehr bedeutend. Und für ein unverbindliches Kennenlernen ist eine Weinmesse einfach ideal.”
W+P: Die Wine Paris hat sich in Windeseile etabliert und der ProWein viel Wasser abgegraben. Wie soll es in Düsseldorf weitergehen?
Frank Schindler: Die Wine Paris ist nur eine von vielen Herausforderungen. Die Weinbranche befindet sich - wie unsere gesamte Gesellschaft – in einer disruptiven Phase. Jedes Unternehmen muss sich heute diesen Veränderungen stellen.
Wer sich nicht anpasst, wird Umsatz und Profitabilität verlieren. Deswegen musste sich auch die ProWein die Frage stellen, wer uns heute braucht und was man von uns braucht. Mit dem Ergebnis unserer Marktanalyse starten wir nun in das nächste Jahrzehnt.
W+P: Welche Erkenntnisse haben Sie entdeckt?
Frank Schindler: Bei der Gründung der ProWein 1994 war der USP der Messe ja bereits definiert: Deutschland ist der bedeutendste Importmarkt in Europa - das unterscheidet uns von Frankreich oder Italien. Gleichzeitig sind wir ein weinproduzierendes Land, was uns wiederum von UK oder Skandinavien unterscheidet.
Wir kehren also zum WHY unserer Gründung zurück, denn wir haben eine duale Aufgabe: einerseits unseren Importeuren und Fachhändlern in Deutschland die Möglichkeit zu geben, spannende Produzenten aus der ganzen Welt zu entdecken. Und andererseits den deutschsprachigen Weingütern eine starke Homebase zu bieten, aus der heraus sie in die Welt exportieren können und gleichzeitig einen Rahmen zu schaffen, in dem sich unsere Weinbaugebiete professionell und mit Heimvorteil präsentieren können.
W+P: Was ist denn da jetzt anders als zuletzt?
Frank Schindler: Die ProWein hatte im letzten Jahrzehnt für sich in Anspruch genommen, die größte und wichtigste Weinmesse der Welt zu sein, wo alle Anbieter und alle Interessenten aufeinandertreffen. Also, wo zum Beispiel ein australisches Weingut seinen amerikanischen Importeur findet. Das mag in manchen Fällen auch funktioniert haben.
Die Zukunft liegt aber – ähnlich wie in der Weinproduktion – in der Spezialisierung. Jedes Unternehmen braucht ein klar definiertes Profil. Kein Weinproduzent kann alle Marktsegmente bedienen und dabei wirtschaftlich sein.
Das gilt auch für die ProWein. Ich sehe uns als Leitmesse für europäische Produzenten, die hier mittels Unterstützung durch ein starkes Hosted Buyers Program internationale Einkäufer treffen, neue Kontakte aufbauen und Aufträge mit nach Hause nehmen können. An dieser Effizienz und Effektivität werden wir sehr stark arbeiten und eine schlagkräftige, abschlussorientierte Messe werden. Das ist unser Vorhaben.
Das Interview führte Dorli Muhr von Wine+Partners.