Biodiversitäts-Projekte umgesetzt

Lebendige Weingärten bei Winzer Krems

Ein Artikel von Irene Rittler | 13.07.2026 - 13:53
Baumpflanzen-WinzerKrems.jpg

Die Winzergenossenschaft Krems ging mit gutem Beispiel voran und pflanzte auch auf den eigenen Flächen zahlreiche Bäume und Sträucher. © Winzer Krems

Geschäftsführer Ludwig Holzer und Marketing- sowie Projektleiter Wolfgang Hamm betonten vor den Medienvertretern die Wichtigkeit, Naturschutz- und Biodiversitätsmaßnahmen voranzutreiben und die „Monokultur Weingarten“ aufzubrechen. Für die rund 600 Familienbetriebe, deren Trauben über die Genossenschaft vermarktet werden, sei der Boden (oft schon seit vielen Generationen) Lebensgrundlage, und die Erhaltung des Naturraums allein dadurch schon essenziell. Ihre Weingärten prägen die gewachsene Kulturlandschaft rund um Krems, die Lebensraum und zugleich wirtschaftliche Grundlage ist.

In klaren Worten verdeutlichten Holzer und Hamm, wie gezielte Maßnahmen zu Begrünung und Bepflanzung die Landschaft ökologisch aufwerten, und dadurch resilienter gegenüber Trockenheit, Hitze und Erosion machen. Gerade einer vielfältigen und nützlingsfördernden Begrünung komme eine wesentliche Rolle zu, um das Bodenleben zu fördern, die Bodentemperatur zu senken und die Nährstoffversorgung der Reben zu verbessern. Obmann Florian Stöger betonte die Wichtigkeit, die Diversität im Boden wieder aufzubauen und gesunde Böden für die nächste Generation zu hinterlassen: Man könne in den eigenen Weingärten anfangen, um die Welt ein Stück besser zu machen. Die Stärkung der Biodiversität wirke sich letztlich auch positiv auf die Qualität der Trauben und der Weine aus, so Geschäftsführer Ludwig Holzer.

Als „größtes Nachhaltig-Austria-zertifiziertes Weingut Österreichs“ (die Genossenschaft vermarktet rund 1.200 Hektar Mitgliedsflächen in den Regionen Kremstal, Kamptal, Traisental und Wagram) fallen seit der durchgehenden Umsetzung im Jahr 2022 rund zehn Prozent aller NA-zertifizierten Betriebe des Landes unter den Einflussbereich der Genossenschaft. Die Kleinstrukturiertheit der dortigen Kulturlandschaft birgt einen besonderen Auftrag, diese bestmöglich zu erhalten und ihre Widerstandsfähigkeit zu fördern. Zur Vorbereitung der Initiative wurden interessierte Winzer zu Informations- und Weiterbildungsveranstaltungen zum Thema eingeladen. Umdenken anzuregen sei eine Herausforderung und ein langer Weg, hieß es dazu bei der Presseveranstaltung.

Konkrete Maßnahmen

Nistkasten-winzer-krems-HarrerFranz.JPG

Die 500 Nistkästen der Initiative wurden von der Caritas-Tagesstätte in Zwettl angefertigt. © Franz Harrer

Die Maßnahmen der Winzer Krems wurden von „Blühendes Österreich“ mit rund 41.500 Euro finanziert. Die Förderung wurde dazu genutzt, 150 Hektar Weingarten sowie angrenzende Böschungen in der Region gezielt ökologisch aufzuwerten. Die Teilnahme war für Mitglieder freiwillig.

Auch die Genossenschaft selbst setzte auf den rund sechs Hektar eigenbewirtschaften Weingartenflächen entsprechende Maßnahmen in den vergangenen Jahren. Ein zentraler Schwerpunkt lag dabei auf einer vielfältigen und nützlingsfördernden Begrünung der Weingärten. Zum Einsatz kam dabei die bekannte Mischung „WeingartenPluss“ der Firma Die Saat (bestehend aus Inkarnatklee, Serradella, Buchweizen, Ölrettich, Winterwicke, Weißklee und Phacelia), welche sich preislich in einem wirtschaftlich vertretbaren Rahmen befindet, den Boden rasch bedeckt und vor Erosion schützt. Die Kosten für das Saatgut gelten in der Praxis als bedeutender limitierender Faktor bei den Begrünungen. Zusätzlich wurden verschiedene Baum- und Straucharten gepflanzt, darunter Pfirsich- und Mandelbäume, Heckenrosen, Spindelsträucher, Haselnüsse sowie gemeiner und wolliger Schneeball.

Die Wahl der Saatgutmischung wurde in der Umsetzung den interessierten Mitgliedsbetrieben selbst überlassen. Aus der Förderung erhielten die Teilnehmer an der Aktion eine Refundierung von 30 Prozent der Investitionskosten für das gewählte Saatgut.

Für die rund 1.000 Baum- und Strauchpflanzungen wurden die Kosten vollständig übernommen. Den Mitgliedsbetrieben wurde hierfür eine umfangreiche Auswahl von Gehölzen zur Bestellung angeboten, welche von der Genossenschaft von mehreren Anbietern und Baumschulen bezogen wurden, und anschließend direkt bei Winzer Krems abgeholt werden konnten. Bei der Auswahl der Pflanzen wurde bewusst darauf geachtet, keine Arten zu nehmen, welche potenzielle Schädlinge im Weinbau (wie etwa die Kirschessigfliege) begünstigen. Zu den über die Aktion bestellten Gehölzen zählten roter Hartriegel, Haselnuss, Pimpernuss, Felsenbirne, Maulbeere, Feldahorn, Schneeball, Spindelstrauch (Pfaffenhütchen), Eberesche, Elsbeere, Kriecherl, Mispel, Brombeere, Mandel und Weingartenpfirsich. Die Gehölze stabilisieren Ökosysteme, mindern Wind- und Wassererosion und fungieren als Lebensraum für Vögel, Insekten und andere Arten.

Die 500 Nistkästen, welche den Mitgliedsbetrieben zur Unterstützung der Artenvielfalt auf ihren Flächen kostenlos zur Verfügung gestellt wurden, wurden in der Werkstatt der Caritas-Tagesstätte in Zwettl angefertigt. Beraten wurde die Genossenschaft dazu von der Vogelwarte Seebarn am Wagram, einer Außenstelle der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Die Baupläne stammten von der Vogelkundegesellschaft Birdlife Österreich. Mit der Vogelwarte Seebarn läuft aktuell auch ein Wiederansiedlungsprojekt für den selten gewordenen Steinkauz in mehreren Weingärten. Der kleine Raubvogel macht in den Kulturlandschaften Jagd auf Mäuse und Insekten und gilt als wertvoller Baustein eines intakten Ökosystems.

Steinhaufen in den Randgebieten der Weingärten sind besonders als Rückzugsort für Reptilien relevant. Ihre Anlage wurde bislang von den Betrieben eigenständig organisiert – insbesondere im Raum Krems sind jedoch weitere entsprechend Maßnahmen in Planung, da sich hier die Umsetzung aufgrund der Terrassenlagen besonders anbietet.

Positive Resonanz bei Mitgliedern

Lebendige-Weingärten-1.jpg

Die rund 1.000 an die Mitglieder ausgegebenen Bäume und Sträucher sollen die Kulturlandschaft rund um Krems ökologisch aufwerten. © Winzer Krems

Generell dürfte das Projekt bei den Mitgliedern auf sehr positive Resonanz stoßen. „Viele Betriebe verfügen bereits über ein starkes Bewusstsein für biodiversitätsfördernde Maßnahmen und haben das Projekt mit großem Interesse und Engagement aufgenommen“, freut sich Julian Winter, der bei den Winzern Krems für die Betreuung der Mitgliedsbetriebe zuständig ist.

Für viele sei Biodiversität mittlerweile zu einem wesentlichen Bestandteil einer verantwortungsvollen Bewirtschaftung geworden und einige Betriebe bringen aktiv Ideen ein. Das große Interesse und die positive Beteiligung an den gesetzten Maßnahmen zeige deutlich, dass das Bewusstsein für ökologische Zusammenhänge und den langfristigen Schutz der Kulturlandschaft in den vergangenen Jahren weiter gewachsen ist.