Im Rahmen des Tags des steirischen Weins Mitte März erhielten Günther Rauch und Werner Luttenberger die Goldene Ehrennadel des steirischen Weinbauverbands für langjährige Verdienste. Mehr lesen ...
Nach der Begrüßung durch die Geschäftsführerin des Österreichischen Sektkomitees Dagmar Gross, gab die Vorsitzende, Aurore Jeudy, einen Überblick über das vergangene Jahr und die Aktivitäten des Sektkomitees.
Chancen in schwierigem Umfeld
Die Wiener Sektkellerei Kattus war in diesem Jahr der Treffpunkt der österreichischen Schaumweinerzeuger © Christine Miess
Wein aus Österreich verzeichnete 2025 insgesamt rückläufige Verkäufe, wovon auch Sekt nicht verschont blieb. Doch bestehe die Chance, im In- und Ausland weitere Marktanteile zu erobern. Dabei sei es ein besonderes Ziel, in der Gastronomie als Sekt Austria präsenter zu werden. Die Fokussierung der Verbraucher auf hochwertige Produkte mit glaubwürdiger Geschichte sei eine große Chance für Sekt Austria. Die Marke stehe für „elegante, frische Schaumweine, produziert im Einklang mit der Natur.“
Kritikern, denen die Aktivitäten des Österreichischen Sektkomitees zu langsam oder insgesamt zu wenig schlagkräftig vorkommen, antwortet Jeudy: „Das Sektkomitee engagiert sich das ganze Jahr über intensiv für die Promotion von Sekt Austria durch viele Aktivitäten, die verschiedene Zielgruppen ansprechen – im Rahmen des zur Verfügung stehenden Budgets und mit viel persönlich investierter Zeit. Diese Aufgabe nehmen wir sehr ernst.“ Es müsse aber klar sein, dass die Protagonisten des Sektkomitees das nicht alleine schaffen können. Damit sich der Begriff Sekt Austria nachhaltig verankert, muss er von allen Beteiligten – insbesondere auch von den Erzeugerinnen und Erzeugern – getragen werden.
Veranstaltungen und Wachstum in Social Media
Danach gab Jeudy einen Überblick über die Veranstaltungen des vergangenen Jahres. Neben den Fachveranstaltungen auf der ProWein, der Transgourmet PUR Salzburg und Sparkling Twenties von Meiningers stechen dabei vor allem die Aktivitäten mit den Sektbotschaftern Maria Großbauer („Musik verbindet“ und „Vino im Kino“), Andreas Vitasek (Kultursommer Güssing) und Kristina Sprenger (Sekt and the City) hervor.
Die Reichweite von Sekt Austria auf Social Media wuchs im Jahr 2025 deutlich. Auf Instagram erhöhte sich die Zahl der Follower um 787 auf insgesamt 1.705. Die Reichweite konnte verdoppelt werden, die Zahl der Reel-Aufrufe verdreifacht. Auf Facebook folgen 903 Menschen Sekt Austria.
Das neue Weingesetz
Derzeit ist die österreichische Weinbaupolitik damit gefordert, ihre Struktur an das EU-Gesetz anzupassen. Darin wird die größte definierte g.U.-Herkunft ein Bundesland sein. Jede geschützte Ursprungsbezeichnung (g.U.) – also Niederösterreich, Burgenland, Steiermark und Wien – muss eigenständig organisiert sein, einschließlich der Gründung einer Erzeugervereinigung mit demokratischen Strukturen und ausgearbeiteten Produktspezifikationen.
Eine eigene Sekt Austria g.U. kann es nicht geben, da die geografische Zone „Austria / Österreich“ rechtlich zu groß für eine einzige Ursprungsbezeichnung ist. Über die Möglichkeiten, Sekt Austria innerhalb dieses Regelwerks zu verankern, werden bereits Gespräche mit Landwirtschaftskammern der Bundesländer geführt. In der Folge wird man zu weiteren Erzeugervereinigungen das Gespräch suchen. Wichtig ist dabei, dass Erzeugerinnen und Erzeuger von einer starken gemeinsamen Struktur und Bezeichnung profitieren, klare und verständliche Regeln bekommen, die Qualität garantieren, und unter dieser gemeinsamen Dachmarke eine Vielfalt an Stilrichtungen anbieten können.
Das Ziel könne keinesfalls sein, die Produktionsregeln zu vervielfachen und damit am Ende Verwirrung bei den Kundinnen und Kunden zu stiften. Denn eines ist klar: Was die Konsumentinnen und Konsumenten nicht verstehen, lehnen sie ab. Zum Abschluss rief Aurore Jeudy noch einmal ihr Motto in Erinnerung: „Alleine geht es schneller – gemeinsam kommen wir weiter.“
Erfolgreiche Markenführung
Von links: Moderatorin und Sekt-Botschafterub Maria Großbauer, Journalist Alexander Lupersböck, Sommelier-Unions-Präsidentin Annemarie Foidl, Kommunikationsexperte Sebastian Bayer und Willi-Bründlmayer-Geschäftsführer Andreas Wickhoff bei der Podiumsdiskussion © Christine Miess
Sekt Austria-Botschafterin Maria Großbauer moderierte danach eine Podiumsdiskussion mit der Präsidentin der Sommelier Union Austria Annemarie Foidl, dem Kommunikationsexperten Sebastian Bayer, dem Geschäftsführer des Weinguts Willi Bründlmayer Andreas Wickhoff MW, und dem Journalisten Alexander Lupersböck.
Die Frage, wie man die Marke Sekt Austria erfolgreicher positionieren und verankern könne, wurde dabei erörtert. Die Diskutanten waren sich einig, dass klare, einfach nachvollziehbare Botschaften notwendig seien. Man müsse sich folgende Fragen stellen: Wo will ich hin? Wie will ich mich positionieren? Warum glauben die Menschen, dass sie mich brauchen? Man könne es nicht jedem recht machen und dürfe es daher auch nicht mit Gewalt versuchen – das verwässert jede klare Markenführung.
Die Begriffe „Cool Climate-Herkunft“, „Frische“ und „Handwerk“ seien Kernpunkte der Kommunikation. Man solle sich immer vor Augen halten, dass jährlich mehr Flaschen Dom Perignon erzeugt werden, als der größte österreichische Hersteller von allen Marken abfüllt.
Die Sektpyramide biete einen „Qualitätsboden“, auf den sich jeder Produzent setzen und seine Geschichte darauf aufbauen könne. Aufgrund der begrenzten Marketingbudgets sei es besonders wichtig, dass jeder Erzeuger selbstbewusst als „Sekt Austria-Produzent“ auftritt und seine Sekte mit Stolz präsentiert. Das Image Österreichs als Urlaubsland mit schöner Natur und gemäßigtem Klima könne dabei ein Lebensgefühl schaffen, das andere Regionen bereits erreicht haben. Eventuell müsse man auch bereits bekannte Stärken wie die Rebsorte Grüner Veltliner mehr betonen.
Von Annemarie Foidl kam der Vorschlag, eine grafische Kennzeichnung (eventuell eine bis drei Federn) für Sekt Austria, Reserve und Große Reserve einzuführen, die potenziellen Käufern den Stil auf einen Blick vermittelt. Die Gastronomie sollte mehr Food-Pairings mit Sekt Austria anbieten, um ihn vom anlassbezogenen Konsum zu befreien.
Sekt Austria ist noch sehr jung und befindet sich auf einem guten Weg, der immer strukturierter und nachhaltiger wird. Gemeinsam müsse man seine schöne Geschichte erzählen. Wiederholung ist der Schlüssel für Wahrnehmung beim Konsumenten, wie die Werbekampagnen großer Konzerne zeigen.
Dr. Gabriel Lepousez, Neurologe am Pariser Institut Pasteur, gab in einem anschließenden Fachvortrag Einblicke in die Wahrnehmung von Schaumwein.